Das „beste Tourismusdorf der Welt“ – Khinalug VIDEO
Guba, 28. Mai, AZERTAC
Inmitten der Kaukasusberge, im Gespräch mit den Wolken, liegt ein Dorf namens Khinalug. Als eine der ältesten Siedlungen Aserbaidschans gilt es als ein Ort, an dem jeder Besucher sofort erkennt, dass es sich nicht nur um ein Touristenziel handelt. Khinalug ist ein lebendiges Stück Geschichte, das die Erinnerung vergangener Jahrhunderte bewahrt und zu den seltenen Orten gehört, an denen eine alte Lebensweise bis heute fortbesteht.
Je weiter man sich auf den kurvigen Bergstraßen nach Khinalug hinaufbewegt, desto mehr fühlt es sich an wie eine Reise in eine andere Zeit. Das Dorf liegt auf etwa 2200 Metern über dem Meeresspiegel und ist von den Gipfeln Bazardüzü, Shahdag, Tufandag und Gyzylgaya umgeben. Selbst an den heißesten Sommertagen weht hier ein kühler Wind, im Winter bleibt das Dorf monatelang unter Schnee verborgen.
Das Dorf beeindruckt nicht nur durch seine Natur, sondern auch durch seine Geschichte. Historikern zufolge reicht seine Gründung bis in die Zeit vor unserer Zeitrechnung zurück. Spuren der ersten Besiedlung gehen auf die späte Frühbronzezeit – das Ende des 4. Jahrtausends v. Chr. – zurück. Bei archäologischen Ausgrabungen in den Jahren 2010–2012 wurde die antike Siedlung „Zangar“ entdeckt, was die jahrtausendelange Besiedlung bestätigt.
Der Name des Dorfes ist mit verschiedenen Legenden verbunden. Einer Überlieferung zufolge erhielt es den Namen Khinalug, weil die umliegenden Felsen bei Sonnenaufgang eine hennaähnliche Farbe annehmen. Die Einheimischen nennen das Dorf „Ketish“. In schriftlichen Quellen erscheint der Name Khinalug erstmals im 15. Jahrhundert in den Manuskripten von Mahmud al-Khinalugi. Einige Forscher vermuten zudem eine Verbindung zwischen Khinalug und den antiken Städten Albaniens.
Beim Spaziergang durch die steinernen Gassen wird deutlich, wie die Bewohner über Jahrhunderte ihre Identität bewahrt haben. Die Bevölkerung von Khinalug gehört zu den ältesten und einzigartigen ethnischen Gruppen Aserbaidschans. Sie besitzen eine eigene Sprache, Folklore, Traditionen und Lebensweise. Epen, Volkslieder und Legenden werden hier noch immer von Generation zu Generation weitergegeben.
Über Jahrhunderte lebten die Bewohner unter rauen klimatischen Bedingungen von der nomadischen Viehzucht. Diese Lebensweise prägte ihren Alltag, ihre Kultur und ihr Denken. Auch der alte Wanderweg zwischen Sommer- und Winterweiden spielte dabei eine zentrale Rolle – ein über 200 Kilometer langer Weg, der die nomadischen Wirtschaftsgebiete von Quba/Guba und Shirvan/Schirwan verband.
Dieser historische Wanderweg und das Dorf Khinalug stehen heute im internationalen Fokus. 2023 wurde die Kulturlandschaft „Khinalug und der Wanderweg“ in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Im selben Jahr wurde per Dekret des Präsidenten von Aserbaidschan das staatliche historische, kulturelle und ethnografische Schutzgebiet „Khinalug und der Wanderweg“ eingerichtet. Zwei Jahre später wurde Khinalug von der UN-Tourismusorganisation als „Bestes Tourismusdorf“ ausgezeichnet.
Die historischen Häuser im alten Teil des Dorfes wurden vor Jahrhunderten in traditioneller Bauweise errichtet und teilweise restauriert. In Khinalug gibt es zudem zahlreiche alte Moscheen, Schreine und heilige Orte. Dazu zählen die Juma-Moschee, die Abu Muslim-Moschee, die Scheich-Salbuz-Moschee sowie die Schreine von Dschabbar Baba und Khydyr Nabi. Insgesamt befinden sich mehr als 30 Heiligtümer und Pilgerstätten im Dorf.