Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Zahl der Verdachtsfälle in der Ebola-Region steigt auf über 900

Zahl der Verdachtsfälle in der Ebola-Region steigt auf über 900

Baku, 25. Mai, AZERTAC

Unter schwersten Bedingungen kämpfen Helfer in der Demokratischen Republik Kongo gegen die weitere Ausbreitung des Ebolavirus. Doch nachdem das gefährliche Virus offenbar über Wochen unbemerkt im Osten des Landes grassiert war, werden nun immer mehr Fälle gemeldet.

Inzwischen seien mehr als 900 Verdachtsfälle registriert worden, teilte der Chef der ‌Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Sonntag mit. Darunter seien 101 bestätigte Erkrankungen.

Erst am Freitag hatte die WHO das Risiko einer nationalen Ausbreitung des Virus im Kongo auf die Stufe »sehr hoch« angehoben. Für die Region gilt das Risiko als „hoch“, weltweit als „niedrig“.

Aktuelle Opferzahlen lagen in der deutschen Nacht zu Montag noch nicht vor. Bis Freitag waren laut WHO im Kongo 82 Infektionen und sieben Todesfälle offiziell bestätigt. Zudem gebe es 177 ungeklärte Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung stehen könnten. Das Gesundheitsministerium der Demokratischen Republik Kongo meldete am Wochenende, dass mehr 200 Menschen an den Folgen des Virus verstorben seien. Die Ausrüstung zum Nachweis des Virus ist in dem Land knapp, die Angaben gehen teils stark auseinander.

Eine Eindämmung der ⁠Seuche ⁠gestaltet sich schwierig, da es für den aktuellen Virus-Stamm, Bundibugyo genannt, laut WHO weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine etablierte Behandlung gibt.

Das Virus hat sich bereits über die Landesgrenzen hinaus ausgebreitet. Im Nachbarland Uganda stieg die Zahl der nachgewiesenen ‌Fälle am Wochenende auf fünf.

Auch internationale Helfer ‌sind betroffen: Ein im Kongo als Arzt tätiger US-Bürger, ‌der sich mit dem Virus infiziert hat, wird derzeit in der Berliner Charité behandelt. Er muss der Klinik ⁠zufolge nicht intensivmedizinisch versorgt werden, zeige aber deutliche Krankheitssymptome

Die Ehefrau und die vier Kinder des Patienten, die als Hochrisikokontakte eingestuft werden, sind den Angaben zufolge aktuell symptomfrei. Sie befinden sich in einem getrennten Teil der Station in Quarantäne

Die Bekämpfung des Ausbruchs wird auch dadurch erschwert, dass die östlichen Provinzen des Landes seit Jahrzehnten von schweren Kämpfen erschüttert werden. Teilweise werden Gebiete von Rebellengruppen kontrolliert. Zudem lebt eine große Zahl von Binnenflüchtlingen oft unter sehr beengten Verhältnissen in provisorischen Lagern.

Allein in der Provinz Ituri, die die Mehrzahl der Krankheitsfälle verzeichnet, leben nach Uno-Angaben mehr als 920.000 Binnenflüchtlinge. Insgesamt gibt es im Ostkongo bis zu vier Millionen Binnenflüchtlinge. Ein Ebolaausbruch in einem dieser Flüchtlingslager wäre für Experten ein Schreckensszenario.

Wütende Angehörige brennen Zelte nieder

Eine besondere Lage besteht in Gebieten, in denen die Rebellengruppe M23 teils seit Jahren eigene Verwaltungsstrukturen hat und nun auch das Gesundheitswesen betreibt. So gab es in Goma, der Provinzhauptstadt von Nord-Kivu, zwei Ebolafälle, ein weiterer Fall wurde in Süd-Kivu bestätigt.

Zudem ‌kämpfen die Helfer vor Ort mit Misstrauen und Desinformation ‌in der Bevölkerung. In der Provinz Ituri hatten Demonstranten in der vergangenen Woche Behandlungszelte in Brand gesetzt, nachdem es Streit um die sichere Bestattung eines mutmaßlichen Ebolatoten gegeben ‌hatte.

Alle Ebolaviren werden durch Kontakt mit Blut und anderen Körperflüssigkeiten übertragen und können grippeähnliche Symptome, Erbrechen und Durchfall sowie schließlich innere und äußere Blutungen sowie Leber- und Nierenversagen verursachen.

Bislang war die früheste bekannte Infektion des aktuellen Ausbruchs ein Mann aus dem Kongo, der am 24. April mit Symptomen behandelt und drei Tage später gestorben war. Die ersten Ebolafälle waren erst am 15. Mai im Labor bestätigt worden. Am 17. Mai erklärte die WHO eine gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehr als 240 bekannte mutmaßliche Infektionen.

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