Adidas bekommt Tochter Reebok nicht in den Griff
Baku, den 22. September (AZERTAG). Um den Erzrivalen Nike anzugreifen, kaufte der Sportartikelhersteller 2006 das US-Unternehmen Reebok. Doch die Tochter bleibt ein Sorgenkind. Ein Umbau im Management soll den Weg aus der Krise ebnen.
Lange Zeit hat sich Adidas-Chef Herbert Hainer geziert. Immer wieder wurde ihm im vergangenen Jahr eine Frage gestellt. Wird er trotz der zahlreichen Probleme an den Wachstumsprognosen für die US-Tochter Reebok festhalten? Stets gab sich Hainer kämpferisch.
Nun kommt das Eingeständnis: „Wir haben zwar gute Forschritte bei der Marke gesehen, aber wir können nicht behaupten, dass wir schon auf dem Pfad zum nachhaltigen globalen Erfolg sind“, sagte der Adidas-Chef bei einer Investorenveranstaltung in den USA. Er kappt das Wachstumsziel um ein Drittel. Statt drei Milliarden Euro strebt er mit der Marke nur noch zwei Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2015 an.
Reebok ist die größte Baustelle im Adidas-Konzern. Hainer hatte die US-Marke 2006 übernommen, um damit den Erzrivalen Nike auf dessen Heimatmarkt anzugreifen. Doch die erhofften Erfolge blieben aus.
Frauen als Zielgruppe-Reebok machte zuletzt vor allem mit Negativmeldungen auf sich aufmerksam. In Indien musste nach einem Betrugsfall das Management gehen. In den USA musste das Unternehmen wegen irreführender Werbeversprechen gar eine Strafe zahlen. Darüber hinaus verlor die Marke den Ausrüstervertrag mit der US-Football-Liga NFL ausgerechnet an den Erzrivalen Nike - Reebok verzichtet so auf ungefähr 330 Millionen Euro Jahresumsatz.
Bei der Präsentation der Halbjahreszahlen wurde deutlich, wie sehr Reebok dem Restkonzern hinterherhinkt. Der Umsatz sank im zweiten Quartal währungsbereinigt um mehr als ein Viertel während die Adidas-Erlöse insgesamt um knapp 15 Prozent gestiegen waren.
Die Adidas-Marketingprofis mühen sich in der Tat schon seit Jahren damit ab, Reebok neu zu positionieren. Ein Trend wird deutlich: Während Adidas sich tendenziell an die Männer richtet sowie auf den Leistungs- und Mannschaftssport ausgerichtet ist, etablieren die Markenstrategen Reebok zunehmend als Fitnessmarke für Frauen.
Zwischenzeitlich feierte die Marke mit dem Trend zu Toning-Schuhen, die die Gesäßmuskulatur besonders trainieren sollen, große Erfolge. Zudem soll Reebok eng mit dem Trend-Fitnesssport CrossFit assoziiert werden. Neue Zukunftsthemen fehlen allerdings bislang.