Britische Bankenaufsicht reformiert Libor-System
Baku, den 29.September (AZERTAG). Die britische Bankenaufsicht FSA zieht Konsequenzen aus dem Manipulationsskandal mit dem Libor-Zinssatz. Das bisherige System sei kaputt und müsse vollständig überarbeitet werden. Die Überwachung wird der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen und an ein unabhängiges Gremium gegeben.
Im Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes hat die britische Bankenaufsicht FSA ihren Untersuchungsbericht vorgelegt - und drastische Veränderungen angekündigt. „Das System ist kaputt und benötigt eine komplette Überarbeitung“, sagte Martin Wheatley von der FSA. Wheatley hatte das System im Auftrag des britischen Finanzministeriums untersucht und am Freitag seinen Abschlussbericht vorgelegt.
Der im Juni aufgeflogene Skandal um den manipulierten Libor habe das Vertrauen der Bevölkerung in die Banken beschädigt, sagte Wheatley. „Heute drücken wir den Knopf für einen Neustart.“ Der britischen BBC sagte er: „Die Gesellschaft verlangt, dass die Menschen, die diese Art von Verbrechen begehen, den Preis dafür bezahlen - und wenn das in den schwersten Betrugsfällen Gefängnisstrafen einschließt, dann sollte das so sein.“
„Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in das ganze System verloren“-Die Überwachung der Zinsermittlung wird demnach der British Banking Association (BBA) und damit der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen. Künftig soll ein unabhängiges Gremium darüber wachen. Die Banken hatten nach langen Verhandlungen bereits Mitte der Woche auf ihr Privileg verzichtet. Darüber hinaus sollen Verstöße gegen die Libor-Regeln künftig strafrechtlich verfolgt werden können. Ferner sollen mehr Banken als bisher an dem Ermittlungsverfahren beteiligt werden, um Manipulationen zu erschweren.
„Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in die Banken, in die Finanzen, in das ganze System verloren“, sagte Wheatley. „Wir müssen es jetzt wieder herstellen.“ Überlegungen, wonach der Libor-Satz als Referenzzins völlig abgeschafft und durch ein neues System ersetzt werden könnte, wurden jedoch verworfen. Der Chef der britischen Zentralbank, Sir Mervyn King, forderte die Umsetzung der Vorschläge „so schnell wie möglich.“