China verzeichnet niedrigstes Wachstum seit drei Jahren
Baku, den 18.Oktober (AZERTAG). So schwach ist die Wirtschaft in China seit mehr als drei Jahren nicht mehr gewachsen. Von Juli bis September verzeichnete die Volksrepublik ein Wachstum von 7,4 Prozent - zuletzt war dieser Wert kurz nach Ausbruch der Weltfinanzkrise so niedrig. Auch deutsche Firmen dürften die Schwäche spüren.
Normalerweise werden die Vorgaben der Staatsführung in China streng befolgt - die Wirtschaft des Landes hat die Wachstumsziele der Regierung im dritten Quartal jedoch klar verfehlt. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch um 7,4 Prozent zu, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Es war das siebte Quartal in Folge, in dem der Zuwachs schrumpfte und das niedrigste Wachstum seit Anfang 2009 kurz nach Ausbruch der weltweiten Finanzkrise. Die Führung in Peking hatte für das Gesamtjahr ein Wachstum von 7,5 Prozent angepeilt.
Grund für die schlechten Zahlen sind sowohl die schwächelnden Exporte als auch eine unzureichende Binnennachfrage. Bereits im Vorquartal war deshalb nur ein Wachstum von 7,6 Prozent verzeichnet worden. Die Schuldenkrise in Europa und die schlechte Konjunktur in den USA haben zu einem spürbaren Rückgang der Nachfrage nach chinesischen Waren geführt. Die Exporte sind für die Volksrepublik enorm wichtig, 2011 trugen sie laut Weltbank 31 Prozent zum chinesischen Wachstum bei.
Die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft hat wiederum negative Rückwirkungen auf die Weltkonjunktur. Die Geschäfte der kriselnden Euro-Zone oder der USA mit dem Land erreichen nicht den erhofften Umfang. Im vergangenen Jahr hatte Chinas Wirtschaft noch um 9,2 Prozent zugelegt, in den ersten drei Quartalen dieses Jahres wurden nur noch 7,7 Prozent erreicht.
Im Schnitt zehn Prozent Wachstum in den vergangenen 30 Jahren-Im August war die Industrie des Landes überraschend geschrumpft. Die Staatsführung in Peking versucht schon länger, der Entwicklung gegenzusteuern. So wurden Leitzinsen gesenkt und Kapitalreserve-Anforderungen für Banken gelockert. Zudem will die Regierung die Wirtschaft mit Infrastrukturprojekten ankurbeln.
Regierungschef Wen Jiabao gibt sich demonstrativ zuversichtlich. Vor Bekanntgabe der Zahlen warnte der Premier zwar vor „beträchtlichen Schwierigkeiten“ im letzten Quartal, äußerte aber seine Überzeugung, dass sich die Wirtschaft durch die Konjunkturmaßnahmen „weiter stabilisieren“ werde. Es habe Verbesserungen in der Entwicklung und Umstrukturierung der Wirtschaft gegeben.
Für das Gesamtjahr erwarten Experten zwar, dass China sein Wachstumsziel von 7,5 Prozent leicht übertreffen wird. Allerdings war diese Vorgabe der Regierung immer schon sehr konservativ angesetzt und wurde gewöhnlich um ein oder zwei Prozent übertroffen. In den vergangenen drei Jahrzehnten hatte China im Schnitt meist ein Wachstum von fast zehn Prozent erreicht. Ein Schwellenland mit viel Nachholbedarf wie China benötigt schnelles Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze schaffen und seine Probleme lösen zu können. Die kritische Grenze legen Ökonomen bei sechs bis acht Prozent an.