Google beherrscht den Markt für mobile Werbung
Baku, den 14. Juni (AZERTAG). Riesiges Geschäft für Google. Der US-Konzern hat 2012 mehr als die Hälfte vom weltweiten Kuchen für mobile Werbung abgegriffen. Doch Google droht auch neuer Ärger mit den Behörden.
Der Internetriese Google hat einer Studie zufolge 2012 mehr als die Hälfte der weltweiten Milliardeneinnahmen durch Werbung auf mobilen Endgeräten kassiert.
Im vergangenen Jahr seien 4,61 Milliarden Dollar (umgerechnet 3,45 Milliarden Euro) der insgesamt hierfür ausgegebenen 8,8 Milliarden Dollar auf den US-Konzern entfallen, teilte das Marktforschungsunternehmen eMarketer mit.
Mit einem Anteil von 52,36 Prozent lag Google demnach weit vor anderen Branchengrößen wie dem sozialen Online-Netzwerk Facebook (5,35 Prozent) und dem Kurznachrichtendienst Twitter (1,57 Prozent).
Für das laufende Jahr prognostiziert eMarketer nahezu eine Verdopplung der weltweiten Ausgaben für mobile Werbung auf insgesamt 15,82 Milliarden Dollar. Demnach dürfte Google seinen Einnahmenanteil leicht auf knapp 56 Prozent steigern, Facebook sogar deutlich auf fast 13 Prozent. Twitter wird den Marktforschern zufolge auf knapp zwei Prozent zulegen.
Ärger bei Android - Google droht bei seinem mobilen Geschäft allerdings Ärger von europäischen Wettbewerbshütern. Die EU-Kommission nimmt der „Financial Times“ zufolge das Geschäftsmodell des Internet-Konzerns bei seinem Betriebssystem Android für Smartphones und Tablets unter die Lupe.
Sie prüfe, ob Android Geräte-Herstellern unter Wert angeboten werde und ob Google versucht habe, die Markteinführung von Smartphones und Tablets mit Konkurrenz-Systemen zu verhindern. Dafür sei ein 23-seitiger Fragebogen mit 82 Fragen verteilt worden.
Google vermarktet Android als offenes System, an dem alle Geräte-Hersteller mitarbeiten können. Sie bekommen es kostenlos. Das half Android einerseits, im Smartphone-Geschäft schnell die dominierende Position mit 75 Prozent Marktanteil zu erreichen.
Andererseits wirft vor allem der Erzrivale Microsoft, der Lizenzgebühren für sein Windows Phone erhebt, Google Wettbewerbsverzerrungen vor.
Auch Briten nehmen Google in die Zange - Britische Abgeordnete fordern zudem Steuerermittlungen gegen Google. Der einflussreiche Unterhaus-Ausschuss für öffentliche Ausgaben verlangte, die britische Steuerbehörde müsse die „künstliche“ Steuergestaltung unter die Lupe nehmen.
Google behaupte, seine Verkäufe seien nicht in Großbritannien, sondern in Irland abgewickelt worden. Dem Ausschuss lägen jedoch Informationen ehemaliger Google-Mitarbeiter vor, wonach britische Angestellte direkt am Verkauf beteiligt gewesen seien.
Um die britische Körperschaftssteuer zu vermeiden, beharre Google auf der Darstellung, dass seine Verkäufe an britische Kunden in Irland stattfänden, kritisierte der Ausschuss. Es gebe jedoch deutliche Beweise dafür, „dass die große Mehrheit der Verkaufsaktivitäten in Großbritannien stattfindet“.
Große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gäben Tipps für künstliche Steuerstrukturen, die von Google und anderen internationalen Unternehmen angewendet würden, um die Zahlung von Steuern in Großbritannien zu umgehen. Diese Steuern sind in Großbritannien deutlich höher als in Irland.
„Die britische Steuerbehörde muss international eine führende Rolle übernehmen, um Steuergesetze anzupassen und Steuervermeidung zu bekämpfen“, forderte der Ausschuss. Seinen Angaben zufolge machte Google zwischen 2006 und 2011 einen Umsatz von 18 Milliarden Dollar (13,5 Milliarden Euro) in Großbritannien, zahlte aber nur 16 Millionen Dollar Steuern in dem Land.
Google erklärte, es halte sich an die britischen Steuergesetze. Das Unternehmen begrüße aber Maßnahmen für ein “einfacheres und transparenteres Steuersystem“, sagte ein Google-Sprecher.
Die Praktiken von US-Firmen wie Google, Amazon und Starbucks zur Steuervermeidung sorgen seit dem vergangenen Jahr nicht nur in Großbritannien, sondern auch in anderen europäischen Ländern für Proteste.
Apple-Chef Tim Cook musste sich gerade erst vor einem US-Untersuchungsausschuss verantworten - und ein komplexes Steuergeflecht erklären, dass die Steuerlast in den USA um viele Milliarden Dollar verringert hat.