Mitschuld an der Finanzkrise
Baku, den 18. Juni (AZERTAG). Das Comeback eines der riskantesten Finanzprodukte ist abgesagt. Die amerikanischen Banken JP Morgan und Morgan Stanley kehren nicht in das Geschäft mit synthetischen CDOs zurück, weil sich zu wenige Käufer fanden. An der Risikolust der Investoren scheint es aber nicht gelegen zu haben.
Sie verschärften die Finanzkrise, aber standen nun vor einem Comeback: synthetische „Collateralized Debt Obligations“ (CDOs). Laut der „Financial Times“ (FT) haben die Wall-Street-Banken JP Morgan Chase und Morgan Stanley nun ihren Plan verworfen, Investoren die komplizierten Finanzprodukte wieder anzubieten.
CDOs sind Wertpapiere, in denen zahlreiche Schuldverschreibungen zusammengefasst und in nach ihrem Ausfallrisiko gestaffelten Tranchen verkauft werden. In synthetischen CDOs sind Kreditausfallversicherungen oder andere Wertpapiere zusammengefasst, deren Wert sich aus dem Wert anderer Schuldverschreibungen ableitet.
Wegen ihrer komplizierten Konstruktion und mangelnden Transparenz wird synthetischen CDOs eine Mitschuld an der Finanzkrise gegeben. Seit dem Beinahe-Zusammenbruch des globalen Finanzsektors nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers haben Investoren ihr Interesse an synthetischen CDOs verloren. Während Banken 2006 noch derartige Finanzprodukte im Wert von 61 Milliarden Dollar verkauften, ist der Markt heute praktisch tot.
Anfang Juni war bekannt geworden, dass die beiden Banken eine Wiederbelebung der gefährlichen Finanzprodukte planen. Die FT schreibt, dass sich jedoch nicht genügend Investoren fanden, die in das Geschäft mit den synthetischen CDOs einsteigen wollten.
Mangelnde Lust am Risiko scheint aber nicht der Grund für die Abstinenz von Investoren zu sein. Offenbar fanden die Banken für die riskantesten Tranchen durchaus genügend Käufer. Allerdings stießen die weniger ausfallgefährdeten, aber auch weniger lukrativen CDO-Tranchen auf zu geringes Interesse.