Wer E-Zigaretten dampft, erkrankt häufiger an Lunge
Baku, 19. Dezember, AZERTAC
E-Zigaretten sind noch so neu, dass große, länger angelegte Studien im echten Leben fehlten. Eine aktuelle Untersuchung schließt diese Lücke jetzt ein Stück weit. Für die Analyse befragten US-Forscher Tausende Menschen - darunter Dampfer, Tabakraucher, Ex-Raucher und Nichtraucher - über einen Zeitraum von zwei Jahren zu Lungenbeschwerden. Das Ergebnis: Auch Nutzer von E-Zigaretten haben ein erhöhtes Risiko für chronische Lungenkrankheiten wie COPD, Asthma und Bronchitis.
In die Untersuchung flossen Daten von mehr als 19.000 Menschen ein, die zunächst keine Lungenkrankheit hatten. Innerhalb von zwei Jahren entwickelten rund 1100 der Teilnehmer Hinweise auf eine der folgenden drei Erkrankungen:
COPD (chronische obstruktive Lungenerkrankung), bei der sich die Atemwege verengen und es zu Husten, vermehrtem Auswurf und Atemnot kommt.
Asthma, eine anfallsartig auftretende, entzündliche Krankheit der Atemwege. Oft kommt es zu pfeifender Atmung, Husten und einem Engegefühl in der Brust.
Chronische Bronchitis, bei der sich die Atemwege dauerhaft entzünden.
Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der zwei Jahre zu erkranken, war für Dampfer um 30 Prozent höher als für abstinente Menschen, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "American Journal of Preventive Medicine" berichten. Bei Tabakrauchern war die Wahrscheinlichkeit um etwa 150 Prozent erhöht, also weit mehr als doppelt so hoch wie bei einem Nichtraucher.
Schädlichste Kombination: Dampfen und Rauchen - "Ein konsequenter Umstieg von normalen Zigaretten auf E-Zigaretten kann das Risiko für Lungenkrankheiten senken. Allerdings macht es kaum jemand", sagt Studienleiter Stanton Glantz von der University of California in San Francisco laut einer Mitteilung.
Die meisten Raucher, die während des Untersuchungszeitraums zu E-Zigaretten wechselten, hätten weiterhin auch Tabak geraucht. Der gleichzeitige Konsum ist den Forschern zufolge aber besonders gefährlich. Das Risiko für Lungenkrankheiten sei dabei um 230 Prozent höher als bei abstinenten Menschen. E-Zigaretten sind in den USA allerdings auch deutlich weniger reguliert als in Deutschland.
Die Wissenschaftler weisen in ihrer Untersuchung auch auf Schwächen der Studie hin. So könnten sich Krankheiten schon über Jahre entwickelt haben, bevor die ersten Beschwerden auftraten. Denkbar ist etwa, dass die Lungen der E-Zigarettennutzer durch früheren Zigarettenkonsum vorgeschädigt waren. Zudem konnte nicht genau erfasst werden, wie oft Konsumenten von E-Zigaretten dampften. Erstmals seien aber Menschen befragt worden, die zu Beginn der Studie noch nicht als lungenkrank galten, schreiben die Forscher.
Kein Zusammenhang zu Todesfällen in den USA
Nutzer von E-Zigaretten inhalieren den Dampf eines nikotinhaltigen Liquids, das erhitzt wird. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) sind E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten sehr wahrscheinlich deutlich weniger schädlich. Denn bestimmte schädliche Inhaltsstoffe sind gar nicht oder in geringerem Maße enthalten.
Allerdings gebe es auch schädigende Stoffe, die in E-Zigaretten in höherem Maße vorliegen, schreibt das Team um Glantz mit Verweis auf frühere Untersuchungen. Tierversuche hätten zudem gezeigt, dass die Inhaltsstoffe von E-Zigaretten Teile des Immunsystems unterdrücken könnten.
Die Studie steht in keinem Zusammenhang zu den Fällen akuter Lungenerkrankungen in den USA. Dort waren laut der US-Gesundheitsbehörde CDC bis 10. Dezember 52 Menschen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten gestorben, 2409 wurden im Krankenhaus behandelt. Als Ursache wird ein aus Vitamin E gewonnenes Öl vermutet, das in Europa nicht zum Einsatz kommt.