Facebook ködert die Cash-Giganten
Baku, den 7. Mai (AZERTAG). Mit einer USA-weiten Tour wirbt Facebook kurz vor dem Rekord-Börsengang um Großinvestoren. Es gilt, letzte Zweifel am Geschäftsmodell des sozialen Netzwerks zu zerstreuen. Doch die Wall-Street-Banker beschäftigt vor allem eine Frage: Wird Gründer Mark Zuckerberg persönlich erscheinen?
Der Empfang für die Facebook-Delegation fiel fürstlich aus. Die Gastgeber von JPMorgan Chase beflaggten ihre Zentrale an der Park Avenue in New York mit blauen Facebook-Fahnen. Die gläserne Eingangsfront zierte ein Banner mit der Aufschrift: „JPMorgan heißt das Management-Team von Facebook willkommen.“ Und in der Marmorlobby prangten blaue „Gefällt mir“-Logos.
Als die Facebook-Finanzspitze am Freitag in New York einflog, um die letzten Weichen für den Mega-Börsengang zu stellen, war Diskretion Nebensache. Zumindest für JPMorgan: Die Wall-Street-Bank, die eine Führungsrolle bei dem Milliardenprojekt ergattert hat, empfing den Gast aus dem Silicon Valley mit ganz großem Internetprotokoll.
Mit der Visite an der US-Ostküste startete Facebook den Countdown für die mit Spannung erwartete „Roadshow“. Die neuntägige Werbetournee für potentielle Aktionäre beginnt an diesem Montag in New York, führt quer durchs Land und kehrt schließlich nach Manhattan zurück. Dort endet sie Ende kommender Woche mit der Premiere der Facebook-Aktie an der Technologiebörse Nasdaq.
Doch zuvor mussten am Freitag noch ein paar Details geklärt werden. Facebook-Finanzchef David Ebersman reiste dazu erst mal mit kleinem Gefolge nach New York. Sein Ziel: Die Banken, die den Börsengang managen, auf eine Linie bringen. Erst traf er sich mit Konsortialführer Morgan Stanley, dessen Star-Banker Michael Grimes für sein Haus den größten Anteil ergattert hatte. Anschließend war JPMorgan Chase dran und zuletzt dann Goldman Sachs.
An den je rund einstündigen „Teach-Ins“ für die Banker, Broker und Vermarkter nahmen auch Hunderte Vertreter der 30 anderen Institute teil, die bei dem Deal eine Nebenrolle spielen dürfen. Die Wall Street stand Schlange.
Schon dieser Ansturm offenbart den Reiz des Börsengangs, der den Marktwert von Facebook auf 100 Milliarden Dollar treiben könnte. Dabei halten sich die Gebühren, die die Wall Street selbst dafür einsteckt, in Grenzen: Angeblich will Facebook nur 1,1 Prozent des IPO-Gewinns für die Banken abzwacken, knapp ein Drittel des Üblichen. Hinzu kommt, dass das Unternehmen Überbrückungskredite in Milliardenhöhe bekommt - zu besonders günstigen Bedingungen. Das heißt, die Banken verdienen entsprechend wenig daran.