Firefox greift Google und Apple auf Handymarkt an
Baku, den 25. Februar (AZERTAG). Ein alter Bekannter mischt die Mobilfunkindustrie auf. Firefox, bislang als Anti-Microsoft-Browser bekannt, drängt mit einem eigenen Betriebssystem auf Smartphones - und hat erstaunliche Fürsprecher.
Es sind die mächtigsten Mobilfunkmanager, die Europa zu bieten hat. Telekom-Chef René Obermann und Telefónica-Chef Cesar Alierta. Üblicherweise bekämpfen sie sich mit allen Waffen, die ihnen zur Verfügung stehen, denn längst ist die europäische Telekom-Industrie in einen Verdrängungswettbewerb eingetreten, in dem Nutzerwachstum nur noch auf Kosten anderer möglich ist.
Doch in Barcelona scheint zum Auftakt der wichtigsten Leistungsschau der Branche, dem Mobile World Congress (MWC), die Welt aus den Fugen geraten. Firefox OS sei eine große Chance, da sind sich die Manager alle einig. Und: Man werde das System mit offenen Armen empfangen.
Was war geschehen? Die Mozilla-Stiftung, die einst angetreten war, um sich mit einem eigenen Internet-Browser gegen die Übermacht des Internet Explorers von Microsoft zu stemmen, will künftig im Smartphone-Markt mitmischen.
Auf dem MWC fiel der offizielle Startschuss. Nach fast zwei Jahren Vorbereitung ist die Software Firefox OS, die künftig Smartphones antreiben soll, endlich fertig. Firefox-Handys wird es von den chinesischen Herstellern ZTE und Huwaei sowie von LG und Alcatel geben.
Spätestens im Sommer, so heißt es, gebe es die ersten Geräte zu kaufen. „Firefox OS bringt die Freiheit und unbegrenzte Innovationskraft des offenen Internets zu allen Mobile-Nutzern“, sagte Gary Kovacs, CEO von Mozilla.
Hart umkämpfter Markt - Auf den ersten Blick erscheint das wie ein hoffnungsloses Unterfangen. Der Markt für Smartphones ist bereits hart umkämpft, an Betriebssystemen herrscht wahrlich kein Mangel. Auf zwei von drei Geräten verrichtet Googles Android seinen Dienst.
Nicht zuletzt weil der Konzern seine Software verschenkt, greifen die Handy-Hersteller - allen voran Samsung - dankbar zu. Google stellt so sicher, dass seine Dienste auf möglichst vielen Smartphones laufen.
Die iPhones mit Apples iOS kommen nach den Zahlen der Marktforscher von Gartner immerhin noch auf einen Marktanteil von mehr als 20 Prozent. Microsoft hat bereits vor Monaten sein Windows Phone 8 gestartet. Und Blackberry schickte Ende Januar das neue Blackberry 10 ins Rennen.
Und doch trifft Firefox OS auf breite Unterstützung. Bereits zum Start haben sich 18 Mobilfunker weltweit zu Firefox OS bekannt, darunter die Deutsche Telekom, Telefónica, América Móvil, China Unicom, Hutchison, Sprint, Telekom Italia und Telenor.
Unterstützung kommt aber nicht nur von Telekom-Konzernen. Auch Qualcomm-Chef Paul Jacobs erschien in Barcelona zur Vorstellung des neuen Systems. Damit hat Mozilla viel Macht vereint. Denn in den meisten Smartphones sind Chips von Qualcomm eingebaut.