Letztes Mittel gegen Chinas Aufstieg
Baku, den 18. Februar (AZERTAG). Das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und den USA lässt Transatlantiker jubeln. Endlich setzen die beiden Wirtschaftsmächte des Westens dem Aufstieg Chinas etwas entgegen. Die Amerikaner erwarten also Geschlossenheit von Europa - doch die ist keineswegs sicher.
38 Jahre lang hat Wesley Clark Militärstrategien entworfen, zuletzt als NATO-Oberkommandeur. Vier Sterne hat man ihm dafür an die Uniform geheftet. Selbstbeherrschung gehörte für ihn zum Berufsbild.
Doch Clark ist nun Pensionär. Ohne Uniform sitzt er auf einer Podiumsdiskussion der Harvard German Conference. Es geht um die Zukunft des Westens in der Welt, und mit der Uniform scheint Clark auch seine Zurückhaltung abgelegt zu haben. „Wir reden über die Bedrohung durch Nordkoreas Atombombe, aber wir sollten über China reden“, ruft er laut. „Die Chinesen haben eine Strategie, und sie werden sie durchsetzen.“
Pekings Reich sei einst stolzer gewesen als das der Römer, bevor es in einer Volte der Weltgeschichte zurückfiel, sagt Clark. „China wird nicht noch einmal diesen Fehler machen.“ Also könnten die Länder des Westens bald die Rolle der neuen „Barbaren“ spielen, denen die überlegenen Chinesen gelegentlich Geschenke zusteckten.
Der General wendet sich an die überwiegend deutschen Zuhörer, darunter Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier: „Man muss sich nichts vormachen. Für China liegt ihr Europäer nur noch am Rande der Welt.“
Clark erntet Beifall, aber er klingt verhalten, gar ratlos. Welchen Ausweg soll es geben? Der Ex-Militär betont, neue globale Wirtschaftsstrukturen seien nötig, ähnlich wie die weltweite Verteidigungsstruktur nach 1945 überdacht werden musste: „Die EU und die USA müssen dabei zusammenarbeiten.“