Millionen Amerikaner könnten ewige Chemikalien im Trinkwasser haben
Baku, 26. Oktober, AZERTAC
Mehr als 20 Prozent der Bevölkerung in den USA – etwa 71 bis 95 Millionen Menschen – könnten auf Grundwasser angewiesen sein, das PFAS-Chemikalien enthält. Das geht aus einer Studie des U.S. Geological Survey hervor.
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylverbindungen. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von mehreren Tausend einzelnen Chemikalien. Verwendet werden die Stoffe zum Beispiel in beschichteten Pfannen, Outdoorkleidung oder Kochgeschirr. Auch in Shampoos oder Pizzakartons kommen sie vor. Einmal in der Umwelt werden die chemischen Substanzen kaum abgebaut und deshalb auch als „ewige Chemikalien“ bezeichnet. Sie stehen unter anderem im Verdacht, die Funktion der Leber oder Schilddrüse beeinträchtigen und Krebs auslösen zu können.
„Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf eine weit verbreitete PFAS-Kontamination im Grundwasser hin, das für die öffentliche und private Trinkwasserversorgung in den USA verwendet wird“, sagte Hauptautorin Andrea Tokranov laut einer Mitteilung. „Dieses neue Prognosemodell kann helfen, Prioritäten für künftige Probenahmen zu setzen, um sicherzustellen, dass die Menschen nicht unwissentlich kontaminiertes Wasser trinken.“
Öffentliche und private Brunnen - Das Team analysierte zunächst Grundwasserproben und ermittelte, wie sich Faktoren wie etwa die Brunnentiefe auf das PFAS-Vorkommen auswirken. Diese Informationen gaben sie dann in ein extra konzipiertes maschinelles Lernmodell ein, das zeigte, welche Gebiete eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Kontamination aufweisen könnten. Schließlich kombinierte die Gruppe die Daten mit bekanntem Wissen zur Anzahl der Menschen in einem bestimmten Gebiet, die für die Trinkwasserversorgung auf Grundwasser angewiesen sind, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Die Wissenschaftler legen dabei getrennte Schätzungen für öffentliche und private Brunnen vor, da diese in der Regel Wasser aus unterschiedlichen Grundwassertiefen erhalten, heißt es. Öffentliche Brunnen, die Grundwasser als primäre Wasserquelle nutzen, lägen in der Regel tiefer als private Brunnen.
Schätzung, aber keine genaue Messung - Die Bundesstaaten mit den größten Bevölkerungszahlen, die auf öffentliche Wasserversorgung mit potenziell kontaminierten Grundwasserquellen angewiesen sind, sind der Studie zufolge Florida und Kalifornien. Bei den privaten Brunnen sind Michigan, Florida, North Carolina, Pennsylvania, New York und Ohio die bevölkerungsreichsten Staaten, die auf potenziell verunreinigtes Grundwasser angewiesen sind.
Die Autorinnen und Autoren der aktuellen Studie seien die Ersten, die USA-weite Schätzungen zum Vorkommen von PFAS in unbehandeltem Grundwasser und den womöglich betroffenen Menschen vorlegen, heißt es weiter. Das Team liefert einige Einschränkungen zu seiner Untersuchung mit. So solle die Auswertung großflächig betrachtet werden – und nicht auf der Ebene einzelner Haushalte. Die Schätzung beziehe sich außerdem auf das grundsätzliche Vorhandensein von PFAS im Grundwasser und nicht auf mögliche Konzentrationen. Um die Belastung im Detail zu überprüfen, müssten Tests durchgeführt werden.
Die Untersuchung wurde im Fachblatt „Science“ veröffentlicht.