Nobelpreisträger Aziz Sanjar: „Ich bin mit der aserbaidschanischen Kultur aufgewachsen“
Washington, 9. September, AZERTAC
Der weltbekannte Wissenschaftler und Nobelpreisträger Aziz Sanjar, dem per Erlass des Präsidenten der Republik Aserbaidschan, Ilham Aliyev, der Orden „Schöhrat“ (Ruhm) verliehen wurde, hat AZERTAC ein Interview gegeben.
Sanjar erklärte, die Auszeichnung habe ihn völlig überrascht und sehr gefreut. Der „Schöhrat“-Orden sei, soweit er wisse, eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen Aserbaidschans. Er fühle sich zutiefst geehrt. Präsident Ilham Aliyev schätze er seit Langem sehr, weshalb ihn die von ihm verliehene Auszeichnung besonders glücklich gemacht habe.
Über seine persönliche Beziehung zu Aserbaidschan sagte Sanjar, er kenne das Land bereits seit seiner Kindheit als eine türkische Heimat unter Besatzung. Er habe sogar mehr aserbaidschanische Musik als türkische Musik gehört und sei daher mit der aserbaidschanischen Kultur aufgewachsen. Aserbaidschan sei für ihn stets ebenso wichtig wie die Türkei gewesen. Die Zeit unter sowjetischer Herrschaft habe ihm hingegen großen Schmerz bereitet. Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit habe er sich deshalb sehr über die Entwicklung des Landes gefreut.
Sanjar sagte zudem, dass er sich in gewisser Hinsicht selbst als Aserbaidschaner betrachte. Besonders die Lieder der Sängerin Zeynab Khanlarova hätten ihn seit seiner Kindheit begleitet. Auch die Bräuche und Traditionen der beiden Länder seien nahezu identisch. Aserbaidschan habe er stets als eine gefangene türkische Heimat betrachtet. Die Hoffnung auf seine Unabhängigkeit sei tief in den Herzen der Menschen verwurzelt gewesen. Man habe dafür gebetet, dass Aserbaidschan seine Freiheit wiedererlangt – und dieser Wunsch sei schließlich Wirklichkeit geworden.
Mit Blick auf die Befreiung Garabaghs erinnerte sich der Nobelpreisträger an seinen ersten Besuch in Aserbaidschan. Damals habe er mit dem Bildungsminister gesprochen, der ihm mitgeteilt habe, dass rund 20 Prozent des Landes besetzt seien und intensiv daran gearbeitet werde, diese Gebiete zu befreien.
Von diesem Zeitpunkt an habe er die Entwicklungen aufmerksam verfolgt. Während des Vaterländischen Krieges habe er die Nachrichten und Informationen über die Front ständig verfolgt. Den Sieg bezeichnete Sanjar als einen historischen und gewaltigen Erfolg. Er zog dabei einen Vergleich zur Türkei, die 1922 ihre vollständige Unabhängigkeit durch die Vertreibung ausländischer Truppen aus Anatolien gesichert habe. Ein Jahrhundert später habe Aserbaidschan die „krebsartige Wucherung“ im Herzen seines Staatsgebiets beseitigt. Dies habe ihn mit großem Stolz und großer Genugtuung erfüllt.
Zur Entwicklung der Beziehungen zwischen der Türkei und Aserbaidschan im Bereich Wissenschaft und Hochschulbildung sagte Sanjar, die Zusammenarbeit sei sehr aktiv. Die Türkisch-Aserbaidschanische Universität habe ihre Tätigkeit aufgenommen, während zahlreiche aserbaidschanische Studierende in der Türkei studierten. Bei einer Konferenz in Garabagh habe er festgestellt, dass etwa die Hälfte der Teilnehmer aus Studierenden bestand, die aus der Türkei gekommen waren. Dies zeige, dass die akademische Mobilität in beide Richtungen funktioniere und die beiden Länder zunehmend zusammenwüchsen.

Auch über seine wissenschaftliche Arbeit zur DNA und deren Bedeutung für die Krebsbehandlung sprach Sanjar. Er erklärte, seine Forschung werde zweifellos einen wichtigen Beitrag zur Behandlung von Krankheiten leisten. Gleichzeitig gebe es eine wesentlich einfachere Möglichkeit, zahlreiche Krebserkrankungen zu verhindern: Wenn die Menschen mit dem Rauchen aufhören würden, könnten 70 Prozent der Krebserkrankungen vermieden werden.
Sanjar erinnerte sich in diesem Zusammenhang an eine Begebenheit während eines seiner Besuche in Aserbaidschan. Nachdem seine Äußerungen über das Rauchen im Fernsehen ausgestrahlt worden seien, habe ihn am nächsten Morgen beim Frühstück ein junger Hotelmitarbeiter angesprochen und erklärt, er habe ihn am Vorabend im Fernsehen gesehen und daraufhin mit dem Rauchen aufgehört.
Nach Ansicht des Nobelpreisträgers sind vorbeugende Maßnahmen ebenso wichtig wie die Entwicklung neuer Medikamente. Ein gesunder Lebensstil, insbesondere der Verzicht auf das Rauchen und ein maßvoller Umgang mit Alkohol, sei von großer Bedeutung. Alkohol könne Leberkrebs begünstigen, während Rauchen Lungenkrebs und verschiedene andere Krebsarten verursachen könne.
Sancar äußerte abschließend die Hoffnung, dass die laufenden Forschungsarbeiten zur DNA-Reparatur sowie die in den kommenden zwei bis drei Jahren geplanten Untersuchungen zu Hirntumoren der Menschheit großen Nutzen bringen werden.