Ungleichheit in China wächst bedrohlich schnell
Baku 22. August (AZERTAG). China gerät aus der Balance. Nicht nur in den Städten, auch auf dem Land wachsen die Einkommensunterschiede. Immer mehr Bauern wandern in die Metropolen ab und verdienen dort dramatisch mehr als die Zurückbleibenden, warnt eine Studie.
In einer Untersuchung schlägt das staatliche Zentrum für chinesische ländliche Studien Alarm. Die Einkommensunterschiede auf dem Land wachsen wegen der Abwanderung in die Städte immer stärker. Die Ungleichheit in ländlichen Gegenden zwischen zurückbleibenden Bauern und jenen, die sich als Arbeitsmigranten in den Städten verdingten, steige rasch, warnte das Zentrum laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Xinhua. Arbeitsmigranten in Städten verdienen demnach doppelt so viel wie Bauern, die weiter ihr Land bestellen.
Der Gini-Koeffizient, der zur Messung der Ungleichheit verwendet wird, liege für die ländliche Bevölkerung bei 0,3949 und drohe damit das „gefährliche Niveau“ von 0,40 zu erreichen, hieß es. Der Gini-Koeffizient reicht von null für vollständige Gleichheit, bis eins für vollständige Ungleichheit.
Die wachsende soziale Ungleichheit ist für die kommunistische Regierung in China ein hochsensibles Thema. Die Behörden in der Volksrepublik haben deshalb seit Jahren keine Angaben mehr zum Gini-Koeffizienten für das gesamte Land veröffentlicht.
Obwohl die mehr als 200 Millionen Arbeitsmigranten die meiste Zeit in den Städten leben, bleiben sie auf dem Land gemeldet. Angesichts der steigenden Einkommen der Arbeitsmigranten steigt das jährliche Durchschnittseinkommen der Landbevölkerung insgesamt - im Jahr 2011 um mehr als 14 Prozent auf rund 39.000 Yuan, umgerechnet knapp 5000 Euro. Der stellvertretende Leiter des Zentrums, Deng Dacai, sagte laut Xinhua, der Gini-Koeffizient für ganz China liege wahrscheinlich „deutlich“ über 0,40. In Deutschland lag er 2010 bei 0,29.