Welt-Anästhesie-Tag am 16.Oktober
Baku, 16. Oktober, AZERTAC
Ohne sie wäre kaum eine Operation möglich: Die deutschen Anästhesisten feiern am 16. Oktober den Weltanästhesietag. An diesem Tag wurde vor 174 Jahren in den USA die weltweit erste Narkose ausgeführt.
In den deutschen Krankenhäusern werden für Operationen pro Jahr schätzungsweise 17 Millionen Narkosen vorgenommen. Hinzu kommen viele tausend weitere Narkosen in Arztpraxen und Behandlungszentren, in denen Menschen ambulant operiert werden. Die Anästhesisten begleiten die Patienten sicher durch die Operation, durch ein Narkose-Vorgespräch, die Anwendung bewährter und standardisierter Verfahren, moderne Medikamente und Geräte sowie eine nahezu lückenlose Überwachung - von der Einleitung über den OP bis zum Aufwachraum oder zur Intensivstation und dann bis zur Übergabe an die Normalstation.
„Wir sind heute in der Lage, für jeden Eingriff und jeden Menschen eine individuell zugeschnittene Narkose anzubieten“, sagt Professor Dr. Rolf Rossaint, Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“ (DGAI). Das betreffe den frühgeborenen Säugling, der bei Bedarf noch vor dem errechneten Geburtstermin narkotisiert und operiert werden könne, ebenso wie den hochbetagten Patienten, der nach einem Unfall dringend versorgt werden muss. Dabei seien die Narkosen im Laufe der Jahre auch immer sicherer geworden. Die Wahrscheinlichkeit, durch eine Narkose selbst zu versterben, liegt nach neuesten Studien sehr weit unter einem Promille.
Anästhesisten sind aber nicht nur rund um eine Operation im Einsatz, sondern auch als Ärzte auf den Intensivstationen, als Notärzte bei Blaulicht-Einsätzen, als Schmerztherapeuten in Praxen und Kliniken sowie als Palliativmediziner zur Versorgung von Patienten in der letzten Lebensphase.
Durch die Corona-Pandemie seien viele Anästhesie-Abteilungen an die Belastungsgrenze geführt worden, sagt DGAI-Präsident Rossaint. Während der ersten Welle mussten vielerorts innerhalb weniger Tage durch die Anästhesisten Behandlungskapazitäten frei gemacht, Operationen verschoben, zusätzliche Kolleginnen und Kollegen für Pflege und Behandlung ausgebildet und dann schwerkranke Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen behandelt und beatmet werden: „Diese schwierigen Wochen hätten ohne das große Engagement der Narkoseärzte in den deutschen Krankenhäusern so nicht bewältigt werden können“, macht Rossaint deutlich. Umso wichtiger sei es nun durch die Einhaltung der Empfehlungen und Regeln einen weiteren Anstieg der Corona-Infizierten und eine Überlastung des Gesundheitssystems und der Intensivmedizin in den kommenden Monaten zu verhindern.
Das Hauptziel der Anästhesie ist es, Schmerzen zu verhindern und den Patienten während eines Eingriffs in einen kontrollierten Zustand zu versetzen, um Schmerzen und Stress zu minimieren. Individuelle Sicherheit ist das vorrangige Ziel. „Die Anästhesiologie ist sehr sicher, weil sie die Risikoeinschätzung ins Zentrum ihrer Tätigkeit gestellt hat. Hierbei geht es neben generellen Risiken (Risikomanagement) um die individuellen und damit persönlichen Risiken.”, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Burkhard Gustorff, Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin der Klinik Ottakring in Wien und Leiter der Sektion Anästhesiologie der ÖGARI. Für die individuelle Sicherheit spielt die Pharmakokinetik eine immer größere Rolle, das zeichnet die personalisierte Anästhesie aus. Sie ermöglicht es, die Verträglichkeit und Wirksamkeit von Anästhetika anhand der genetischen Veranlagung eines Patienten vorherzusagen. Auf diese Weise können unerwünschte Nebenwirkungen minimiert und die Anästhesie optimiert werden.
Künstliche Intelligenz, verstärkte Sicherheit in der Anästhesie - Künstliche Intelligenz (KI) ist ein hervorragendes -Unterstützungsinstrument für das Anästhesie Team: Sie wird zur Früherkennung eingesetzt und verstärkt damit die Sicherheit. Die Implementierung von KI in der Anästhesie erfordert eine sorgfältige Validierung, Schulung und kontinuierliche Überwachung, um sicherzustellen, dass sie den höchsten medizinischen Standards entspricht. Echtzeitdaten werden mittels KI während der Operation ermittelt, um den Anästhesist.innen bei der Dosierung und Verwaltung von Anästhetika zu unterstützen. „Täglich messen wir wichtige Informationen unserer Patient:innen. Online werden wir unterstützt von effektiven Messgeräten und Monitoren. Diese Informationen werden zusammengefasst und als integrierte Informationen genutzt. Beispielsweise können sie während einer Narkose und Operation frühzeitig kritische Momente aufzeigen. So kann ein Blutdruckabfall durch Blutverluste oder durch eine aufkommende Herzschwäche früh erkannt werden und dann viel eher als bisher darauf reagiert werden. Diese Technologie basiert auf KI. Man kann es sich vorstellen wie ein Flugzeug, welches bereits bei geringen Turbulenzen wieder in einen ruhigen Flug gebracht wird.“, führt Professor Gustorff aus.