100 Millionen Jahre alte Spinnenattacke in Bernstein
Baku, den 10. Oktober (AZERTAG). Der Angriff auf eine Wespe wurde vor über 100 Millionen Jahren im Harz eingeschlossen. Nicht nur das mörderische Geschäft, sondern auch das soziale Verhalten der Spinne spiegelt sich wider.
Urzeitliches Harz hat eine Spinne direkt beim Angriff auf ihre Beute konserviert. In Bernstein haben Forscher eine rund 100 Millionen Jahre alte fossile Spinne entdeckt, die gerade dabei war, eine in ihrem Netz gefangene Wespe zu töten. Dies sei der erste Fossilfund, der einen solchen Spinnenangriff quasi als Momentaufnahme zeige.
„Die noch junge Spinne wollte sich die winzige parasitische Wespe als Mahlzeit einverleiben, kam aber nicht mehr dazu“, sagt George Poinar von der Oregon State University in Corvallis. Denn beide Kontrahenten wurden in diesem Moment von flüssigem Baumharz eingeschlossen und so für immer konserviert.
Entdeckt haben der Spinnenforscher Poinar und seine Kollegen den seltenen Fund im Hukawng-Tal in Myanmar. Der Bernsteinklumpen ist ihren Angaben nach 97 bis 110 Millionen Jahre alt und stammt damit aus der Kreidezeit. Die beiden darin eingeschlossenen Fossilien sind bis ins kleinste Detail erhalten, selbst die Borsten auf den Beinen der zu der Art Geratonephila burmanica gehörenden Spinne und die Flügel der Wespe.
Auch Spinnenfäden sind erhalten-Im Bernstein konserviert sind auch mindestens 15 Fäden des Spinnennetzes. Einige davon seien um die Wespe geschlungen und belegen, dass diese zum Zeitpunkt des Angriffs im Netz gefangen war, wie die Forscher im Fachmagazin „Historical Biology“ berichten.
Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich bei der Wespe um die parasitische Art Cascoscelio incassus. Heutige Nachfahren dieser Spezies legen ihre Eier und Larven in Spinnen und Insekteneiern ab.
Vermutlich habe auch die kreidezeitliche Wespenart ähnlich gelebt. Das im Netz eingefangene Exemplar sei allerdings ein Männchen gewesen und damit für die Spinne keine unmittelbare Bedrohung.