13 Milliarden Lichtjahre zurück zum Ursprung
Baku, den 6.Oktober (AZERTAG). Europäische Forscher schrauben an einem „Fernrohr“ mit einer riesigen Spiegelfläche - so groß wie alle Teleskope zusammen, die bis heute je gebaut wurden. Bleibt die Frage: Gibt es Leben im All?
Es wird so scharfsichtig sein, dass ein Münchner eine Zeitung in Lübeck lesen könnte, und es wird Milliarden Lichtjahre in ferne Galaxien blicken. Das größte Spiegelteleskop der Welt soll in der chilenischen Atacama-Wüste entstehen.
Das „European Extremely Large Telescope“ (Europäisches Extrem Großes Teleskop/E-ELT) soll 16 Mal schärfere Bilder liefern als das Weltraumteleskop „Hubble“ und fast bis zum Urknall blicken. Es wird auch einer der spannendsten Fragen der Menschheit nachgehen. Gibt es im Universum einen erdähnlichen Planeten - mit Leben?
Das nach Angaben der Europäischen Südsternwarte (Eso) „größte Auge der Welt in den Himmel“ soll einen Durchmesser von 39 Metern erhalten. Es werde die Wahrnehmung des Universums vielleicht so revolutionieren wie Galileos Fernrohr vor rund 400 Jahren, hofft die Eso. Die Sternwarte hat ihren Sitz seit 1980 in Garching bei München und beschäftigt insgesamt mehr als 700 Mitarbeiter.
Eine riesige Spiegelfläche-„Das E-ELT hat etwa die gleiche Spiegelfläche wie alle Teleskope zusammen, die bis heute je gebaut wurden“, sagt der Eso-Astronom Dietrich Baade. Es soll ab dem Jahr 2023 vom 3060 Meter hohen Berg Cerro Armazones mehr als 13 Milliarden Lichtjahre zurück in die Ursprünge des Weltalls schauen. „Das ist der weiteste Punkt, wohin man zurückgucken kann“, sagt Baade. Die Astronomen wollen herausfinden, wie sich im anfänglich chaotischen Universum Strukturen und dann erste Sterne und Galaxien formten.
Am 5. Oktober 1962 unterzeichneten Deutschland, Belgien, Frankreich, die Niederlande und Schweden die Gründungsvereinbarung der Eso, der heute 14 Länder angehören. Als 15. und erste nicht europäische Nation hat Brasilien eine Beitrittserklärung unterzeichnet.