China verordnet seiner Wirtschaft wieder Wachstum
Baku, den 21. Mai (AZERTAG). Angesichts ihrer ungleichen Entwicklung zwischen Stadt und Land will die Volksrepublik einen Wachstumseinbruch unter allen Umständen vermeiden. Der Premier kündigte eine Kursänderung an.
Pekings Regierung will erstmals wieder seit zwei Jahren ihre Konjunkturbremsen lockern. Premier Wen Jiabao kündigte die graduelle Kursänderung auf einer Inspektionsreise durch Zentralchina an. Er reagierte damit sowohl auf die Klagen der lokalen Industrien über zunehmende Verluste als auch auf eine Reihe gesamtwirtschaftlicher Alarmsignale.
In den ersten vier Monaten 2012 hat Chinas Volkswirtschaft einen unerwartet starken Einbruch des Wachstums erlebt, wird von Exportschwächen, ansteigenden Lagerbeständen und schwachen In- und Auslandsinvestitionen geplagt.
Auf dem Volkskongress vergangenen März hatte Wen sich noch für eine Beibehaltung seiner 2010 begonnenen Konsolidierungspolitik ausgesprochen, um dem Teufelskreis nicht nachhaltiger Entwicklung, hoher Verschuldung, Inflation und Überkapazitäten zu entkommen.
Nach seinem dreitägigen Besuch in der Jangtse-Provinz Hubei, dem Einzugsgebiet für neun Inlandsprovinzen Chinas, deren Wirtschaftsmotoren ins Stottern geraten sind, versprach Wen, alles zu tun, um eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft zu verhindern. Für Pekings Wirtschaftspolitik soll wieder das Streben nach „gemäßigtem Wachstum eine wichtigere Bedeutung erhalten“.
Weltweite Debatte um Wachstumsstrategie-Die Debatte, ob Haushalts- und Schuldenkonsolidierung in der gegenwärtigen schwierigen Lage der Weltwirtschaft von einer aktiven Wachstumsstrategie begleitet werden müssen, wird nicht nur in Europa und den USA geführt. Sie hat nun auch beim Entwicklungsgiganten China begonnen, der dank seiner schieren Größe heute Exportweltmeister und zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist.
Angesichts ihrer ungleichen Entwicklung, dem Stadt- Land Gefälle und riesiger Arbeitsmärkte kann sich die Volksrepublik trotz ihrer hohen Wachstumsraten keinen Wachstumseinbruch erlauben. Wen nannte es daher „eine höchst dringliche Aufgabe, zu verhindern, dass sich unsere Wirtschaftsentwicklung zu rasch verlangsamt“.
Er versprach „entschieden zu handeln. Wir können nicht zuwarten und den richtigen Zeitpunkt dafür verpassen, gleich, ob es um Fiskal- oder um Geldpolitik geht“. Seine Worte trafen auch auf Widerspruch: Mikroblogger warnten auf der finanzwirtschaftlichen Webseite von „Caijingwang“ vor einem Rückfall Pekings in seine einstige finanzielle Aufputschpolitik mit Hilfe staatlicher Konjunkturprogrammen.