Ex-Barclays-Mitarbeiter berichtet von Atmosphäre der Angst
Baku, den 7. Juli (AZERTAG). Immer neue Enthüllungen belasten Barclays. Jetzt hat ein ehemaliger leitender Angestellter die Führungspraktiken bei der britischen Skandalbank beschrieben. Demnach kam es sogar zu körperlichen Drohungen - und das Top-Management muss wohl von Zinsmanipulationen gewusst haben.
Der britische Zinsskandal zieht weitere Kreise. Ex-Barclay-Chef Bob Diamond hat vor dem Ausschuss des britischen Unterhauses versucht, sich als Opfer statt als Täter darzustellen. Ihm sei körperlich übel geworden, als er von den Zinsmanipulationen erfahren habe, behauptete der Banker. Die Wut gelte dem völlig inakzeptablen Verhalten von 14 Maklern, die den Libor - sozusagen der Leitzins für die Kredite der Banken untereinander - manipuliert hätten.
Körperlich übel dürfte es allerdings auch einigen seiner Mitarbeiter geworden sein, als sie von den Schuldzuweisungen ihres ehemaligen Chefs erfuhren. Einer von ihnen, ein leitender Angestellter, der inzwischen nicht mehr bei der Skandalbank arbeitet, brach deshalb jetzt mit einem Tabu, das in der Branche gilt: Er packte aus und beschrieb Reportern der Londoner Tageszeitung „The Indepedent“, wie es hinter der hochglänzenden Fassade des Bankhauses aussah.
Seine Beschreibungen lassen am Ende nur einen Schluss zu: Das Top-Management von Barclays muss von den Zinsmanipulationen zwischen 2005 und 2008 gewusst haben. Denn aufgrund der strengen Hierarchie hatten rangniedrigere Angestellte dem Bericht zufolge praktisch keinen Handlungsspielraum. Was sie taten und unterließen, war demnach Befehl von oben.
Bedenken gegen die Manipulation der für die Bestimmung des Libor entscheidenden Zinswerte seien klar formuliert worden, berichtet der Banker. „Das Thema Libor-Fixing wurde von mehreren Mitarbeitern angesprochen. Deren Vorgesetzte haben die Bedenken mit Sicherheit weitergegeben, denn andernfalls hätten sie mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen müssen - bis hin zur Entlassung“, erklärte der Manager.