Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

In den Wind geblasen

Baku, den 22. September (AZERTAG). Beim Fördern von Öl wird Erdgas frei, das die Ölbohrunternehmen abfackeln. Sie nehmen in Kauf, dass Menschen krank werden, Mangrovenwälder und Tiere sterben. Dabei gibt es längst Mittel gegen den Irrsinn.

Schwarze Rußwolken verdunkeln den Himmel über dem Nigerdelta. Riesige grelle Feuer schießen aus dem Boden, bis zu 30 Meter hoch. Manche brennen seit 40 Jahren. Kilometerweit sind sie zu sehen. Hier steht Erdgas in Flammen. Tag und Nacht. Die Abgase machen den Regen so sauer, dass er die Wellblechdächer der Hütten zerfrisst. In den verschmutzten Gewässern schwimmen immer weniger Fische.

„Wenn wir Regenwasser in Kanistern sammeln, ist es schwarz vom Ruß und den Kohlenwasserstoffen. Man kann sich nicht einmal damit waschen, sonst juckt die Haut und schält sich“, klagt Emem Okon, die Mitte 40 ist und immer im Nigerdelta gelebt hat. Seit die Ölindustrie im Land boomt, tragen auch die Pflanzen weniger Früchte, weiß Okon. Hunger und Armut haben zugenommen. Der Regen bleibt aus, wohl durch die enorme Rußbelastung, vermuten die Bewohner. Der Staub bildet eine schmutzige Glocke. Darunter staut sich die Sonnenwärme. Darüber hinaus fließt Hunderte Male im Jahr Öl aus Pipelines und an Förderstellen in den Boden und in die Gewässer. Das Wasser enthält krebserregendes Benzol, wie eine Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ergab. Sauberes Trinkwasser gibt es kaum.

Weltweit werden jedes Jahr 150 Milliarden Kubikmeter Erdgas abgefackelt. Das ist so viel, wie die EU in vier Monaten braucht. Rohstoff im Wert von 40 Milliarden US-Dollar. Und das, obwohl die bekannten Vorräte in spätestens 200 Jahren erschöpft sein werden und Konzerne deshalb bereits in immer entlegeneren Gebieten gierig nach dem kostbaren Gas suchen. Doch beim Ölfördern ist den Unternehmen der flüchtige Rohstoff nur lästig. Sobald sie bohren, steigt unweigerlich auch Gas auf.

Auf 1000 Liter schwarzes Gold kommen 800 Kubikmeter Erdgas. Es abzutrennen und aufzubereiten würde Zeit und Geld für Anlagen und Personal kosten. Preiswerter lässt es sich an reinen Erdgaslagerstätten gewinnen. Um das Gas an den Ölquellen loszuwerden, blasen die Ölmultis es deshalb einfach in die Luft - oder fackeln es ab. Wird es verbrannt, werden Kohlendioxid, Schwermetalle, Ruß, Schwefel- und Stickoxide frei. Darunter leiden Anwohner und Natur. Das Ablassen des Erdgases ist dagegen noch schädlicher für das Erdklima als das Abfackeln. Denn der Hauptbestandteil des Gases, das Methan, ist ein 23 Mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid.

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