Kampf um die Schätze des Arabischen Meeres
Baku 27. August (AZERTAG). Üppige Korallengärten, saftige Wiesen für Seekühe, zahlreiche Haie. Das Arabische Meer ist voller Reichtümer. Doch Überfischung, Verschmutzung, die Schädigung des Meeresbodens und der Bau künstlicher Inseln setzen dem Idyll zu. Kann das Meer vor weiterem Raubbau geschützt werden?
Die märchenhafte Scheherazade würde noch weitere 1001 Nächte lang Geschichten erzählt haben, wenn sie von den Reichtümern des Arabischen Meers gewusst hätte. Sie hätte die Neugier des persischen Königs zum Beispiel mit dem Rätsel der Riffe von Dhofar im Süden Omans geweckt. Im Winter sieht man hier üppige Korallengärten, im Sommer Wälder aus Tang. Ausgelöst wird dieser weltweit einmalige Wechsel durch den Beginn des Khareef. Dieser Südwest-Monsun drückt kaltes und nährstoffreiches Wasser an die Küste. Der Tang ruht in den warmen Monaten; erst wenn die Temperaturen fallen, reagiert er mit einem plötzlichen, üppigen Wachstum und überzieht die Riffe mit grünen, roten und goldenen Wedeln.
„Ich bin das Meer. In meinen Tiefen ruhen alle Schätze“, schrieb der ägyptische Dichter Mohammed Hafiz Ibrahim vor einem Jahrhundert. Besonders die Austern. Heute findet man hier allerdings nur noch wenige Perlentaucher, die wie in früheren Zeiten den größten aller Schätze bergen. Das Perlentauchen war eine Frage des Stolzes. Es gehörte zur Tradition wie die Seefahrt.
Das Ölgeschäft verdrängte die uralte Lebensweise der Seefahrer. Arabien erlebte einen sprunghaften Wandel: vom Kamel zum Cadillac, vom Lehmhaus zur Mega-Mall. Die Folgen des neuen Wohlstands machen vor dem Arabischen Meer und seinen Nebenmeeren nicht Halt. Überfischung und Umweltverschmutzung, die Schädigung des Meeresbodens durch Schwimmbagger und die Umgestaltung der Küstengebiete mit künstlichen Inseln belasten das Ökosystem.
Eine stinkende Flut von Flossen und Fleisch-Vor allem die Haie sind gefährdet. Es gibt kaum einen schändlicheren Ausdruck für den Angriff auf das Leben hier, kaum einen groteskeren Anblick als die Berge von getöteten Haien, die Abend für Abend aus dem Oman und den Vereinigten Arabischen Emiraten zum Deira-Fischmarkt in Dubai gebracht werden: eine stinkende Flut von Flossen und Fleisch. Die Biologin Rima Jabado reist die Küste der Vereinigten Arabischen Emirate auf und ab, von Abu Dhabi bis Ras al-Khaimah, registriert die Haifänge, spricht mit den Fischern. Überall hört sie die gleiche Geschichte. Die Fänge werden kleiner, und immer mehr Boote machen Jagd auf die Meerestiere.
Die Sorgen der Biologin gehen aber über die Fischerei hinaus. Die Folgen einer Umweltkatastrophe in einem so flachen und abgeschlossenen Meer möchte man sich lieber nicht ausmalen. Im Persischen Golf gibt es Hunderte von Öl- und Gasplattformen. Jedes Jahr fahren Zehntausende Male Tanker durch die enge Passage der Straße von Hormus zwischen der Halbinsel Musandam und dem Iran. „Bei einem Unglück wie der Explosion der „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko könnten ganze Ökosysteme vernichtet werden“, befürchtet Jabado.
Doch es scheint, als würden sich die Dinge allmählich zum Besseren wenden. Mehrere Staaten erwägen, dem Beispiel der Vereinigten Arabischen Emirate zu folgen und den Walhai unter Schutz zu stellen. In Arabien scheint sich ein neues Verantwortungsgefühl für das Leben im Meer zu entwickeln. In Kuwait haben Hunderte Amateurtaucher eine schnelle Einsatztruppe für Umweltprobleme gebildet. Sie reparieren durch Krieg und Müll entstandene Schäden an der Natur, heben untergegangene Schiffe, entfernen Fischernetze von den Korallenriffen.