Kongos Blutgold strömt auf den Weltmarkt
Baku, den 22. April (AZERTAG). Früher finanzierten afrikanische Warlords ihre Bürgerkriege mit Diamanten. Im Kongo übernimmt jetzt immer häufiger geschmuggeltes Gold diese Rolle. Eine Reise zu den schmutzigen Quellen eines edlen Metalls.
Geländefahrzeuge holpern eine staubige Piste entlang. Ihr Ziel ist ein Grundstück in der kongolesischen Stadt Goma am Kiwusee. Vier Meter hohe Mauern schützen die Anlage vor allzu neugierigen Blicken. Ein bewaffneter Sicherheitsposten beobachtet jede Bewegung der Autos und ihrer Insassen. In dem Komplex sitzt Thiery Buzima in seinem Eckbüro und füllt geschäftig Formulare aus. Früher hat er mit Zinn gehandelt. Jetzt handelt er mit Gold. Und sein neues Geschäft floriert.
Buzimas Handelsfirma bildet das erste Glied in einer langen und undurchsichtigen Kette geschmuggelten Goldes. Sie führt von den konfliktbeladenen Zonen der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika zu den Basaren in Dubai und in Juwelierläden auf der ganzen Welt.
Buzima kauft Gold von anderen Händlern und von Bergarbeitern aus kongolesischen Dörfern. Die bearbeiten im Osten des Kongo Felsen entlang der Flüsse und Berghänge, die von Rebellen beherrscht werden. Seine Kunden sind in erster Linie Schmuggler. Sie verstecken das Gold in Autos und Lastern, die die kostbare Fracht über die Landesgrenze hinweg in benachbarte Länder schaffen. Dort werden die wertvollen Klumpen zunächst neu zertifiziert, mit gefälschten Frachtdokumenten versehen und zusammen mit anderem Gepäck in Richtung Naher Osten und Asien auf den Weg gebracht, berichten an dem Schmuggelprozess Beteiligte.
Ertragsmargen von bis zu 30 Prozent - Der Aufstieg der Goldschmuggler hat dazu beigetragen, dass die gewaltsamen Aufstände im Kongo nicht zur Ruhe kommen. Und die Schwarzhändler sind mittlerweile so virulent, dass Gold bald mit demselben Makel behaftet sein könnte wie die „Blutdiamanten“ aus Afrika vor einem Jahrzehnt.
Buzima ist relativ neu im Geschäft. Zusammen mit vielen anderen, die im Kongo kleine Minen beackern, stieg er im vergangenen Jahr auf den illegalen Markt ein. Der hohe Preis für Gold lockte. Und außerdem hatten neue US-Gesetze den legalen Handel mit kongolesischen Metallen beschnitten. Den edlen Rohstoff zu schmuggeln, ist ohnehin lukrativer. Es winken Ertragsmargen von bis zu 30 Prozent. „Jede Woche trudeln bei mir neue Aufträge ein“, erzählt Buzima und blättert durch die Papiere auf seinem Schreibtisch. „Das Umfeld verändert sich ständig, und wir müssen dann nachziehen.“
Der World Gold Council, der die führenden Goldproduzenten der Welt vertritt, hat ebenfalls reagiert. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Verband Richtlinien für die Bergbauunternehmen, die darauf abzielen, Gold aus Konfliktgebieten aus der Lieferkette herauszuhalten. Andere Branchenvertretungen und internationale Organisationen haben ihrerseits vergleichbare Leitfäden für Scheideanstalten, Juweliere und andere Vertreter der Zunft herausgegeben. Sie orientieren sich in ihren Bemühungen am sogenannten Kimberley-Prozess beim Handel mit Diamanten. Über dieses komplexe System soll mittels staatlicher Herkunftszertifikate der Handel mit Blutdiamanten unterbunden werden. Mit Blutdiamanten wurden und werden verschiedene Kriege in Afrika finanziert, obwohl nach Ansicht einiger Beobachter die Flut an Edelsteinen aus Kriegsgebieten durch den Kimberley-Prozess bereits mit Erfolg eingedämmt wurde.
Gold, das aus dem Kongo herausgeschmuggelt werde, stelle eine Bedrohung für die Branche dar, sagt Terry Heymann, der beim World Gold Council für ein Projekt zuständig ist, das gewährleisten soll, dass Gold nur auf verantwortungsvolle Weise geschürft wird. Jegliche Verbindung zu bewaffneten Auseinandersetzungen „untergrabe“ das Image, das das Edelmetall bei den Konsumenten genieße, meint er.