Microsoft stellt sein Ökosystem auf den Kopf
Baku, den 19. Juni (AZERTAG). Microsoft wird Ende des Jahres nicht nur ein neues Betriebssystem präsentieren, sondern die passende Hardware gleich dazu. Ein riskantes Spiel, denn damit gibt der Konzern ein 30-jähriges Dogma auf.
Als Microsoft-Chef Steve Ballmer am Montagabend auf die Bühne in den Milk Studios in Los Angeles tritt, kann er sich das Grinsen nicht ganz verkneifen. Endlich kann auch er einmal ein Stück Hardware mit dem gleichen Tamtam präsentieren, mit dem sonst nur die Konkurrenz von Apple zu Werke geht.
Ballmer wird beim Hype um neue Produkte nie Tim Cook, Microsoft nie Apple übertreffen, doch dieses Mal ist Microsoft die Überraschung wirklich gelungen. Der Konzern bricht mit dem jahrzehntelangen Dogma, nie selber Computer herstellen zu wollen, und präsentiert in LA gleich zwei neue Tablet-PCs, sowie diverses innovatives Zubehör.
Gehäuse aus dem neuen Magnesium-Werkstoff VaporMG erlauben sehr dünne, stabile und gleichzeitig komplex geformte Gehäuse, die Geräte wirken eigenständig innovativ und keineswegs wie weitere iPad-Kopien. Sie sind Teil einer Produktoffensive für Microsofts kommendes Betriebssystem Windows 8 - das Programm kann sich mit seiner Kacheloptik und seinen dynamischen Oberflächen, seinem Mix aus Desktop- und Tabletorientierung merklich von der Konkurrenz von Google und Apple absetzen.
Surface nennt Microsoft die neue Produktlinie, und sie hat auf den ersten Blick echtes Potential dafür, Apple und Co. Kopfschmerzen zu bereiten. Die beiden Tablets sollen nur den Anfang einer ganzen Reihe von Geräten samt Zubehör sein. „Surface ist ein wichtiger Begleiter für Windows 8“, sagte Ballmer. „Wir wollen die Leute zum Nachdenken anregen. Wir wollen der Windows-PC-Plattform Zugang zu neuer Technologie verschaffen.“
Trennung von PC und Tablets überwinden-Microsofts Grundidee: Die strickte Trennung zwischen Personal Computern auf der einen und Tablet-Rechnern auf der anderen Seite, wie sie von Apple propagiert wird, ist künstlich, und deswegen mit der richtigen Mischung aus Hard- und Software überwindbar. Die Softwareseite bildet Microsoft mit Windows 8 ab. Das neue Betriebssystem soll in vier verschiedenen Versionen auf den Markt kommen und sowohl die Tablet-Bedienoberfläche Metro als auch die ganze Vielseitigkeit eines ausgewachsenen Windows Professional mitbringen.
Eine Vorab-Demoversion ist seit Juni zum Download verfügbar. Doch bisher hatte keiner der Microsoft-Hardwarepartner eine entsprechende Antwort auf der Hardwareseite entworfen. Also wurde Microsoft selbst aktiv, das Resultat Surface bietet auf den ersten Blick echte Innovation: Das größere der beiden Tablets bringt einen hochauflösenden 11-Zoll-Bildschirm mit 1080 Bildzeilen, die selben Anschlüsse wie ein Notebook, und kann sowohl in der Hand bedient als auch mit einem ausklappbaren Ständer aufgestellt werden.
Dazu hat Microsofts neue Hardware-Truppe eine Schutzhülle entworfen, die - wie bei Apple - per Magnet mit dem Gerät verbunden wird. Microsoft jedoch nutzt die Innenseite der Schutzhülle, um sein Tablet zum vollwertigen Notebook zu erweitern: Hier haben die Ingenieure eine komplette Tastatur und ein Trackpad untergebracht.
Das Herz des dickeren der beiden Tablets bildet Intels neueste Prozessorgeneration Ivy Bridge. Damit dürfte das Microsofts Surface Tablet erheblich mehr Rechenleistung haben als die Tablet-Konkurrenz. Die braucht es auch, denn auf dem Gerät läuft die vollwertige Betriebssystem-Version Windows 8 Pro. Damit kann der Anwender vollwertige PC-Programme wie etwa Adobes Lightroom laufen lassen - wem dafür der 11-Zoll-Bildschirm zu klein ist, der kann einen externen Bildschirm anschließen.