Moody's entzieht Großbritannien Bestnote
Baku, den 23. Februar (AZERTAG). Die Ratingagentur Moody's hat Großbritannien die Bestnote für die Kreditwürdigkeit entzogen. Die Agentur stufte das Land am Freitagabend von AAA auf AA1 herab. Großbritanniens Finanzminister George Osborne erklärte, die Herabstufung sei eine harsche Erinnerung daran, wie ernst die Schuldenprobleme des Landes seien. Die neue Benotung werde die Entschiedenheit der Regierung verdoppeln, die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen.
Moody's erklärte, der Hauptgrund für die Herabstufung sei „die wachsende Klarheit, dass das Wirtschaftswachstum Großbritanniens trotz einer bemerkenswerten strukturellen wirtschaftlichen Stärke in den kommenden Jahren mau bleiben wird“. Immerhin sei der Ausblick für das neue Rating „AA1“ stabil.
Die Agentur hatte Großbritannien im Februar 2012 als erste vor dem Entzug der Spitzenbonität gewarnt. Die beiden anderen großen US-Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's (S&P) schlossen sich dem im September und Dezember an. Als Grund hatte S&P unsichere Wachstumsaussichten für das Königreich angeführt.
Mit der Herabstufung könnten neue Kredite für das Land teurer werden, weil Geldgeber einen höheren Risikoaufschlag verlangen könnten. Die USA und Frankreich haben im Zuge der Finanzkrise ihre „AAA“-Note bereits verloren. Allerdings hatte dies bei beiden Ländern keine größeren Auswirkungen auf die Kreditkosten. Deutschland hingegen besitzt noch immer das Spitzenrating.
Großbritannien steckt seit der Finanzkrise 2008 tief in der Schuldenfalle und war zuletzt von Ende 2011 bis zum zweiten Quartal 2012 in der Rezession. Nach internationalen Statistiken ist das Land mit 86 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschuldet. Im vergangenen Sommer gelang dank der Olympischen Spiele in London ein Plus. Doch danach machten dem Land Produktionsausfälle in der Industrie und eine geringere Öl-Förderung in der Nordsee zu schaffen. Eis und Kälte lähmen zudem Einzelhandel und Bau.
Die 2010 angetretene Regierung von Premierminister David Cameron hatte versucht, die Neuverschuldung mit massiven Haushaltskürzungen in den Griff zu bekommen. Allerdings ging das Konzept bisher nicht auf. Experten gehen davon aus, dass das Haushaltsdefizit von zuletzt knapp sieben Prozent in diesem Jahr wieder steigen wird.
Die Reformwünsche von Premierminister Cameron, der Rechte von Brüssel nach London zurückverlagern will und dabei auf Widerstand bei den anderen EU-Staats- und Regierungschefs stößt, hatten zudem für Verunsicherung gesorgt. Die britische Währung war im Zuge dieser Unsicherheit auf den niedrigsten Wert seit mehr als einem Jahr gefallen. Die britische Regierung ist aber auf Wachstum angewiesen, um die Haushaltsziele zu erreichen. Zudem hatte sie angestrebt, das Top-Rating „AAA“ zu behalten. Im Jahr 2015 wird in Großbritannien neu gewählt.