Nestlé und Mars sollen Schoko-Kartell gebildet haben
Baku, den 8. Juni (AZERTAG). Kanadische Behörden haben dem Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé und dem weltweit größten Schokoladenhersteller Mars illegale Preisabsprachen bei Schokoriegeln wie Snickers, Bounty oder Twix vorgeworfen. Den Unternehmen drohen bis zu sieben Millionen Euro Geldstrafen.
Schokoladenfirmen wie Nestlé und Mars stehen in Kanada unter dem Verdacht, Preise abgesprochen zu haben. Diesen Vorwurf erhebt die Kartellbehörde in Ottawa und stellte Strafantrag. Die Unternehmen selbst wiesen die Anschuldigungen zurück. „Preisabsprachen sind eine strafbare Handlung“, sagte Kartellamtschef John Pecman. Es handle sich um „ungeheuerliches wettbewerbsfeindliches Benehmen“, das den kanadischen Verbrauchern schade und eine „ernste Straftat“ darstelle.
Bei Ermittlungen seien Beweisstücke für eine Verschwörung gefunden worden, bei der die Preise für Schokoladenprodukte festgelegt wurden. Von den Preisabsprachen betroffen waren nach Angaben der Kartellbehörde bekannte Marken wie Kitkat, Twix, Snickers, Bounty und M&Ms. Das Amt stützt sich bei den Vorwürfen vor allem auf einen Kronzeugen: den amerikanischen Süßwarenkonzern Hershey's. Im Gegenzug kann dieser damit rechnen, ohne Strafe davonzukommen.
Die Tochtergesellschaft Hershey Canada erklärte in einer Stellungnahme, sich schuldig bekennen zu wollen, im Jahr 2007 mit Konkurrenten über Preise gesprochen zu haben. Man habe dies aber sofort der Kartellbehörde gemeldet und die besprochenen Preisanhebungen seien nie erfolgt.
Neben den Konzernen Nestlé und Mars beschuldigen die Wettbewerbshüter auch drei frühere oder heutige Manager der beiden Unternehmen sowie eines kanadischen Lebensmittelgroßhändlers. Bei einem Schuldspruch drohen ihnen bis zu fünf Jahre Gefängnis und Geldstrafen in Höhe von umgerechnet bis zu sieben Millionen Euro.
Nestlé und Mars kündigten an, sich vehement gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. In Deutschland hatte das Bundeskartellamt 2008 Ermittlungen wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen für Schokoladenprodukte gegen sieben Unternehmen eingeleitet, darunter Nestlé und Mars. Die Unternehmen hatten die Preiserhöhungen damals mit den erhöhten Rohstoffkosten begründet.
Im März verhängte das Bundeskartellamt gegen Nestlé Deutschland ein Bußgeld in Höhe von rund 20 Millionen Euro wegen unzulässigen Austauschs wettbewerbsrelevanter Informationen mit anderen Unternehmen. Zuvor waren bereits Kraft Foods Deutschland, Unilever Deutschland und die August Oetker KG mit Bußgeldern von etwa 38 Millionen Euro bestraft worden.