Sind iPhone-Besitzer etwa schlechte Eltern?
Baku, den 4. Oktober (AZERTAG). Seit vielen Jahren ist die Zahl der Unfälle mit Kindern in den USA rückläufig. Doch nun registrieren Mediziner eine Trendwende. Raubt Twittern, Daddeln oder Telefonieren den Eltern die Aufmerksamkeit?
An einem sonnigen Juli-Nachmittag in einem Park in San Francisco tippte Phil Tirapelle gedankenversunken auf seinem Handy, während er mit seinem 18 Monate alten Sohn unterwegs war. Während er seiner Frau eine SMS schrieb, entfernte sich sein Sohn unbemerkt und näherte sich von hinten einem Polizisten, der gerade einen häuslichen Streit schlichtete.
„Ich sah herunter auf mein Handy und der Polizist schaute nach vorne“, sagt Tirapelle. Sein Sohn wäre „fast zertrampelt worden“. „Was ich daraus gelernt habe: Multitasking macht dich dümmer.“ Nur wenige Minuten nach dem Vorfall hatte er sein Handy immer noch in der Hand. „Ich bin ein Heuchler. Das gebe ich zu“, sagt er. „Wir sind alle Heuchler.“
Beeinträchtigt der Gadget-Wahn die Fähigkeit von Erwachsenen, sehr kleine Kinder angemessen zu beaufsichtigen? Eltern, die ständig mit neuen angeblichen Gefahren für ihre Kinder konfrontiert werden, könnten an dieser Stelle mit den Augen rollen.
Kinder sind öfter in Unfälle verwickelt-Allerdings sind viele Ärzte in Notaufnahmen besorgt. Sie sehen die wachsende Zahl von mobilen Geräten als eine plausible Erklärung für eine überraschende Trendumkehr nach einer langen Phase zurückgehender Unfallzahlen bei kleinen Kindern in den USA. Zudem gab es einige extreme Fälle mit Todesfolge oder Beinahe-Ertrinken.
Nicht-tödliche Unfälle bei Kindern unter fünf Jahren sind zwischen 2007 und 2010 um zwölf Prozent gestiegen - nachdem sie fast die gesamte übrige Dekade zuvor gefallen waren, so die jüngste Studie der US-Behörde Centers of Disease Control and Prevention, die auf Grundlage der Aufzeichnungen von Notaufnahmen erstellt wurde.
Die Zahl der Amerikaner über 13 Jahren, die ein Smartphone wie das iPhone oder Blackberry besitzen, stieg zwischen Mitte 2007, als Apple das iPhone einführte, sprunghaft an. Mitte 2007 hatten neun Millionen US-Bürger ein Smartphone, Ende 2010 waren es bereits 63 Millionen und im Juli 2012 sogar 114 Millionen, so das Marktforschungsunternehmen Comscore.