Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Standort China verliert an Attraktivität

Baku, den 29. Mai (AZERTAG). Bürokratie, Handelsschranken, Kostendruck - westliche Firmen fühlen sich in China ausgebremst. Laut einer aktuellen Umfrage denkt jedes fünfte Unternehmen an eine Abwanderung in andere Länder. Auch eine mögliche Abkühlung der Konjunktur beunruhigt die Investoren.

Auf nach China - so lautet seit Jahren das Motto unter westlichen Konzernen. Mit rapidem Wachstum und einem Milliardenvolk als potentielle Kunden lockt das Land Vertreter aller Branchen an. Doch immer wieder zeigt sich, dass China ein bisweilen schwieriger Handelspartner sein kann.

So streitet die chinesische Regierung derzeit mit den USA über Strafzölle für billige Solarzellen und mit der EU über den geplanten Emissionshandel für den Luftverkehr. Apple kämpft mit einer chinesischen Firma um die Namensrechte am iPad, der deutsche Spezialchemiekonzern Evonik kündigte kürzlich wegen Korruptionsverdacht den Rückzug aus einem Joint-Venture an. Auch Konflikte um Dissidenten wie Chen Guangcheng oder Ai Weiwei erinnern immer wieder daran, dass China kein Rechtsstaat ist.

Die Turbulenzen scheinen zusehends die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts zu schmälern. Mittlerweile erwägen viele europäische Unternehmen sogar den Rückzug aus China. Das ist das Ergebnis einer jährlichen Umfrage, welche die Europäische Handelskammer in China am Dienstag in Peking vorlegte.

Zwar schreiben knapp drei Viertel der Befragten dem chinesischen Markt eine wachsende Bedeutung für ihr Geschäft zu. Doch wegen der Unsicherheiten im Umgang mit Behörden, der zweideutigen Auslegung von Gesetzen und Vorschriften sowie der steigenden Arbeitskosten denkt mehr als jedes fünfte europäische Unternehmen (22 Prozent) an eine Abwanderung in andere Länder. „Wenn eins von fünf Unternehmen erwägt, das Land zu verlassen, würde ich das als ziemlich alarmierend betrachten“, sagte EU-Kammerpräsident Davide Cucino vor Journalisten.

Jedes zweite Unternehmen in China (48 Prozent) gab bei der Umfrage an, dass ihm wegen behördlicher Hürden mögliche Geschäfte entgangen seien. Von dieser Gruppe schätzten wiederum fast zwei Drittel (64 Prozent), dass ihnen dadurch Einnahmen von mehr als zehn Prozent ihres Geschäftsvolumens verloren gegangen sein dürften. Die derart verpassten Geschäftsmöglichkeiten summierten sich auf einen „extrem großen Betrag“ in mehrfacher Milliardenhöhe, hieß es aus der EU-Kammer.

Als größte Risiken für ihr Geschäft in China nannten die Befragten eine Abkühlung der chinesischen Wirtschaft sowie die steigenden Arbeitskosten. An dritter Stelle folgte die Sorge vor einer Verlangsamung des weltweiten Wachstums.

Am Dienstag ließen Spekulationen über ein mögliches Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung die Kurse in Europa steigen. Vor allem die Aktien von Bergbau- und Metallkonzernen legten zu, da diese stark von einer erhöhten Nachfrage aus China profitieren könnten.

 

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