US-Manager will griechische Wasserprivatisierung stoppen
Baku, den 25. Mai (AZERTAG). In der griechischen Hafenstadt Thessaloniki hat sich ein ungewöhnliches Bündnis gegen die geplante Wasserprivatisierung formiert. Bürger wollen mit Hilfe des US-Geschäftsmanns Bob Apfel den Versorger vergesellschaften - und orientieren sich dabei an Beispielen aus Großbritannien.
Die Privatisierung in Griechenland nimmt konkrete Züge an. Zum Verkauf stehen die Wasserversorger in Athen und Thessaloniki - und um den letzteren wird derzeit hart gerungen. Für das profitable Unternehmen EYATH gibt es vier Interessenten, die 51 Prozent der Anteile bei Griechenlands Privatisierungsfonds Taiped übernehmen wollen.
Bei den potentiellen Investoren handelt es sich dem Vernehmen nach um den französischen Riesen Suez Environnement, eine griechisch-israelische Arbeitsgemeinschaft, den griechisch-russischen Unternehmer Ivan Savvidis sowie um einen Außenseiter: Die Citizens Union for Water (CUW), einer Dachorganisation griechischer Genossenschaften. Die CUW will den Wasserversorger vergesellschaften, Eigentümer sollen EYATH-Kunden, die Arbeitnehmer und weite Teile der griechischen Bevölkerung werden.
Lazaros Aggelou ist der Wortführer des Bündnisses, das einst aus der sogenannten Initiative 136 hervorging. Sein Vorhaben klingt simpel: „Die 520.000 EYATH-Kunden bezahlen einen Betrag in Höhe von 136 Euro und die Firma gehört ihnen.“ Wasser sei keine Ware. „Wenn es zu einer Privatisierung kommt, werden die Preise steigen“, ist sich Aggelou sicher.
Die Privatisierung des städtischen Wasserversorgers ist in Thessaloniki äußerst umstritten. Die Stadtverwaltung hat bereits ein Referendum angesetzt, sie argumentiert, Wasser sei eine „unverkäufliche soziale Ressource“. Privatisierungsgegner beklagen, Griechenland gäbe die Wasserversorgung ab, während sie in immer mehr europäischen Städten, darunter Berlin, zurück in staatliche Hand ginge.
Die kapitalistische Kavallerie - Seit zwei Jahren ist die Bewegung bereits aktiv. Experten schenkten ihr jedoch zunächst nur wenig Aufmerksamkeit. Doch plötzlich geriet sie ins Rampenlicht. Dank Bob Apfel. Der amerikanische Geschäftsmann ist Chef der Bondholder Communications Group, einer Firma, die die Kommunikation mit Wertpapier-Besitzern erleichtern soll.
Während eines Besuchs in Thessaloniki hatte Apfel von der Bürgerinitiative gehört und seine Hilfe angeboten. Er habe eine Idee, wie man eine halbe Million griechische Haushalte mit genügend Kapital ausstatten könne, sagte Apfel. Diejenigen, die die 136 Euro nicht aufbringen könnten, könnten ein Mikrodarlehen von sozialverantwortlichen Investoren, wie etwa der Bill und Melinda Gates Stiftung oder Banca Etica bekommen. Er habe bereits Kontakte zu derartigen Investoren aufgebaut, Gespräche zu potentiellen Beteiligungen geführt und positive Rückmeldungen bekommen, sagte der Unternehmer.
Apfels Konzept ist nicht neu. Das habe es alles bereits vorher schon gegeben, sagt er. „In einem eher unbekannten Land namens Großbritannien, mit zwei ebenfalls wenig bekannten Unternehmen namens British Telecom (BT) und British Gas während der achtziger Jahre“, scherzt er und erinnert an die Privatisierung der beiden Unternehmen. Etwa 1,5 Millionen Briten konnten durch eine Kampagne für eine Beteiligung gewonnen werden. Laut „Guardian“ sind bei British Gas heute immer noch 600.000 Anleger mit Anteilen von weniger als 250 Pfund beteiligt.