US-Wirtschaft hängt Euro-Zone ab
Baku, den 30. Mai (AZERTAG). In einem Länderranking zur Wettbewerbsfähigkeit rutschen viele Staaten der Währungsunion deutlich ab. Nur Deutschland hält sich unter den Top Ten - und die USA kehren an die Spitze zurück.
Die USA haben die Vormachtstellung in der Weltwirtschaft als wettbewerbsfähigstes Land der Erde zurückerobert. Das geht aus einer Studie der Schweizer Wirtschaftshochschule IMD hervor. Im daraus erstellten Jahresranking stehen die USA auf Platz 1, vor der Schweiz und dem letztjährigen Sieger Hongkong. Deutschland landete wie im Vorjahr auf dem neunten Rang.
Damit steht Deutschland in Europa vergleichsweise gut da. Alle anderen Staaten der Euro-Zone werden deutlich schlechter bewertet. Neun von ihnen rutschten im Vergleich zum vergangenen Jahr sogar weiter ab.
Das gilt sowohl für Krisenstaaten wie Italien, Spanien oder Portugal, die auf den Plätzen 44 bis 46 landeten, als auch für die Niederlande oder Finnland, die auf die Plätze 14 beziehungsweise 20 zurückfielen.
Deutlich besser schneiden dagegen europäische Länder ab, die weiterhin ihre nationale Währung haben: Die Schweiz stieg vom bisher 3. auf den 2. Platz, Schweden verbesserte sich vom 5. auf den 4. Rang, Norwegen vom 8. auf den 6. und Dänemark vom 13. auf den 12. Platz.
„Das ist der Preis der Sparmaßnahmen“, sagte IMD-Direktor Stephane Garelli zu der seit 1989 durchgeführten Studie. „Sie beeinträchtigen das Wachstum, und ohne Wachstum ist keine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit möglich.“ Außerdem sorgten die Sparmaßnahmen „viel zu häufig für Widerstand in der Bevölkerung. Schließlich müssen die Länder den sozialen Zusammenhalt bewahren und Wohlstand schaffen.“
Fracking bringt USA nach oben - Allerdings gibt es in der Euro-Zone auch kleine Lichtblicke. So konnte sich Griechenland in puncto Konkurrenzfähigkeit wenigstens vom 58. auf den 54. Platz vorarbeiten. Vor der Aufnahme in die Währungsunion stand das Land jedoch weit besser da: 1997 sah das IMD die griechische Volkswirtschaft noch auf Rang 36.
Deutschland kam damals auf Platz 16 - und hat sich seitdem in die Top Ten vorgekämpft. „Deutschlands Erfolg beruht maßgeblich auf der exportorientierten Industrie, der breit aufgestellten Wirtschaft, starken kleinen und mittelständischen Unternehmen und Haushaltsdisziplin“, heißt es in der Studie.
Als wichtige Gründe für den Erfolg der USA nennt das IMD das Wiedererstarken des dortigen Finanzsektors - der allerdings 2007 maßgeblich die Finanzkrise ausgelöst hatte - sowie die Fähigkeit zu technischen Innovationen und erfolgreiche Unternehmen.
Unter anderem haben die USA ihren Spitzenplatz auch wegen ihrer Energie-Renaissance zurückerobert, die sie der umstrittenen Fracking-Methode zur Öl- und Gasförderung verdankt. „2015 werden die USA mehr Gas als Russland fördern, 2020 mehr Öl als Saudi-Arabien“, sagte IMD-Experte Garelli. „Das wird einen enormen Effekt auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen haben.“ Die Stromkosten dürften bald nur noch halb so hoch sein wie in Deutschland.
Die IMD stellt das Ranking unter dem Namen „World Competitiveness Yearbook“ seit 1989 jährlich auf. Dazu werden etwa 4000 internationale Geschäftsleute befragt. Die 60 Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet. Zu zwei Dritteln fließt dabei auch die Auswertung nationaler und internationaler Statistiken in das Ranking ein. Von den größten Schwellenländern verbesserten sich China (Platz 21) und Russland (Platz 42), während Indien (Platz 40) und Brasilien (Platz 51) an Boden verloren.