Vogelbestände in Nordamerika gehen stark zurück
Baku, 5. Mai, AZERTAC
Forschende schlagen Alarm wegen einer neuen Studie zur Vogelpopulation in Nordamerika. Die Analyse von rund 500 Vogelarten hat ergeben, dass drei Viertel der Bestände in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet zurückgehen. Zwei Drittel der Gesamtbestände schrumpfen demnach deutlich. In den Gebieten, in denen die Vogelarten am häufigsten vorkommen, gehen sie der Studie zufolge am schnellsten zurück.
Die in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichte Studie legt nahe, dass wichtige Gebiete für Vögel nicht mehr als Lebensräume infrage kommen, insbesondere in Graslandschaften, Trockengebieten und der Arktis. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befürchten einen ökologischen Zusammenbruch in ehemals geschützten Gebieten, wie der „Guardian“ berichtet .
Als Grundlage ihrer Analyse nutzten die Forschenden der Cornell University die Daten von eBird, einer Anwendung, mit der Vogelbeobachter ihre Sichtungen aufzeichnen können. Sie untersuchten die Jahre 2007 bis 2021, das analysierte Gebiet umfasste insgesamt 27 Quadratkilometer quer durch Nordamerika. Dabei offenbarte sich ein dramatischer Rückgang in Gebieten, in denen vor weniger als zwei Jahrzehnten Vögel noch weitverbreitet waren, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
„Die meisten Arten waren insgesamt rückläufig, was auf eine Verschlechterung der Lage der Vögel hindeutet“, sagt Studienautorin Bianca Lopez.
Hauptursachen für Rückgang nicht zweifelsfrei benennbar - Dass der Bestand vieler Vogelarten in Nordamerika schwinde, sei zwar bekannt, sagt auch Studienleiterin Alison Johnston dem „Guardian“. Mit ihrer Studie hätten die Forschenden aber „in einer viel feineren räumlichen Auflösung“ nachvollziehbar machen wollen, wo die Vogelpopulation zurückgeht und wo sie möglicherweise zunimmt.
Dabei sei eine Erkenntnis von besonderem Wert, so Johnston: „Die Gebiete, in denen diese Arten früher gediehen, sind heute die Orte, an denen sie am meisten leiden.“
Als mögliche Hauptursachen für den Rückgang der Vogelpopulationen führen die Forschenden die globale Erwärmung und den Wandel von Lebensräumen an. Letztlich könne man dies jedoch nicht mit Gewissheit sagen, so Johnston. „Dieses Ergebnis deutet meiner Interpretation nach auf tiefgreifende Veränderungen in unserer Welt hin.“
Trotz aller Sorge gibt es aber auch einen Lichtblick: Obwohl 75 Prozent der Arten rückläufig waren, gebe es bei 97 Prozent von ihnen auch Gebiete, in denen ihre Bestände zunahmen. „Die Populationen gingen tendenziell in Gebieten mit der höchsten Artenzahl am stärksten zurück, entwickelten sich jedoch dort besser, wo die Arten am wenigsten häufig waren“, heißt es in der Studie.
Diese Gebiete könnten für die Vögel ein Ort der Zuflucht werden und auf Bedingungen hinweisen, unter denen sich die Arten erholen könnten.