Wie Roboter und Laserflugzeuge Archäologen helfen
Baku, den 22. Dezember (AZERTAG). Wo Häuser gebaut werden, Dörfer verschwinden, Autobahnen und Pipelines entstehen, sind Archäologen nicht weit. Doch das Klischee vom antiquierten „Spatenforscher“ ist passé - dank moderner Technik.
Pier ist verwaist. Das Dorf mit 1800-jähriger Vergangenheit liegt 50 Kilometer westlich von Köln. Kein Mensch ist zu sehen, viele Häuser sind abgerissen, Fenster und Türen der übrigen sind verschlagen, nur noch drei sind bewohnt. Am Horizont ragen die Aufbauten eines Schaufelradbaggers auf, daneben dampfen die Kühltürme des Kraftwerkes Weisweiler.
Keine hundert Meter entfernt beginnt der Braunkohletagebau Inden. 2015 werden die Schaufelradbagger das Dorf mit seinen Straßen, Häusern, Bächen und Feldern verschlingen.
Der Bagger macht die Vergangenheit platt-Wo im Jahr 2011 noch Häuser standen, kratzen nun sechs Studenten von der Universität Bonn mit Maurerkellen die Verfärbungen von Kellern, Gruben und Gräbern frei. In der Aue der Rur, am nördlichen Dorfrand, werden die älteren Grabungsflächen zwischen gesperrten Straßen, Feldern und Weiden erst nach näherem Herantreten hinter Erdwällen sichtbar.
Der Archäologe Timo Bremer von der Abteilung Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie der Universität Bonn zeigt in einer Grube auf das rechteckige Fundament einer römerzeitlichen Mauer, in einer anderen auf die graue Verfärbung eines alten Bachbettes. Drei Jahre hat er Zeit, die Archäologie dieses Ortes zu dokumentieren.
Für Außenstehende scheint das Verhalten des Archäologen schwer nachvollziehbar zu sein. Der Schäfer, der seine Herde durch den verlassenen Ort treibt, gibt jedenfalls zu bedenken, dass es wohl nur wenig Sinn mache, hie und da mal den Boden zu öffnen. So seien keine Funde zu machen, meint er.
Luftbilder und Aufklärungsflugzeuge-Doch obwohl im Zweiten Weltkrieg mitten durch den Ort die Rurfront verlief und Bomben, Granaten und Mörser ihn in eine Kraterlandschaft verwandelten, wird der Archäologe fündig. Denn lange vor dem ersten Spatenstich förderte der geologische Dienst Nordrhein-Westfalen in dichten Abständen aus bis zu sechs Meter tiefen Bohrlöchern Bodenproben zutage, und Flugzeuge mit Kameras und einem „Airborne-Laserscanning-System“ flogen das Terrain ab.
Mit Geografischen Informationssystemen (GIS) ließen sich die so gewonnenen Informationen schließlich mit alten Luftbildern und historischen Karten verknüpfen. Vor allem anhand von Luftbildern aus Aufklärungsflugzeugen der Royal Air Force, die vor wenigen Jahren noch militärischer Geheimhaltung unterlagen, konnte Bremer entscheiden, wo er graben lässt.