Ältere Väter geben Kindern mehr Mutationen
Baku 23. August (AZERTAG). Die biologische Uhr tickt nicht nur bei Frauen. Je älter ein Mann bei der Zeugung eines Kindes ist, desto mehr Mutationen überträgt er dem Nachwuchs, wie eine Studie jetzt ergeben hat. Der Praxistipp eines Forschers: in jungen Jahren Samen einfrieren.
Alte Väter haben einer Studie zufolge Kinder mit stärker verändertem Erbgut. Mit jedem zusätzlichen Lebensjahr des Vaters bei der Zeugung steige die Zahl der veränderten Stellen im Erbgut des Kindes um zwei. „Bereits ein 20-jähriger Vater überträgt im Durchschnitt rund 25 neue Mutationen an sein Kind, ein 40-jähriger Vater etwa 65“, schreiben die Forscher aus Island, Dänemark und Großbritannien in der Fachzeitschrift „Nature“.
Das Team um Augustine Kong vom Unternehmen Decode Genetics in Reykjavik verglich die DNA von 78 isländischen Elternpaaren mit dem ihrer Kinder. Im Fokus standen nicht die Veränderungen des Erbguts, die bereits bei den Eltern vorkommen und an die Kinder weitergegeben werden, sondern sogenannte De-novo-Mutationen. Dabei handelt es sich um genetische Veränderungen, die in den Keimzellen - den Eizellen oder Spermien - entstehen und die sich somit erst nach der Befruchtung bei den Kindern manifestieren.
Solche Mutationen sind wichtig für die Evolution einer Art, da durch sie neue Merkmale und Variationen entstehen, die sich unter bestimmten Bedingungen als nützlich erweisen können. Sie können jedoch auch Schäden anrichten, etwa wenn sie ein lebensnotwendiges Gen treffen und dessen Funktion beeinträchtigen. Schätzungen zufolge sind etwa 90 Prozent der neu auftretenden Mutationen unproblematisch oder wirken sich positiv aus, die restlichen zehn Prozent gelten als schädlich.
Beeindruckender Anstieg der Mutationszahl-Im Durchschnitt treten bei Kindern im Vergleich zu ihren Eltern etwa 60 De-novo-Mutationen auf, schreiben die Wissenschaftler. Allerdings hänge die genaue Zahl stark vom Alter des Vaters zum Zeitpunkt der Zeugung ab: Kinder von 20-jährigen Vätern wiesen etwa 25 neue Genveränderungen auf, der Nachwuchs von 40-Jährigen kommt auf durchschnittlich 65. „Der starke lineare Effekt von gut zwei zusätzlichen Mutationen pro Jahr ist eindrucksvoll“, so die Forscher. „Immerhin entspricht das einer Verdoppelung alle 16,5 Jahre.“
Mütter trügen dagegen nur 15 neue Mutationen zum Nachwuchs bei - und das unabhängig von ihrem Alter. Eine Erklärung sehen die Forscher in der unterschiedlichen Art, wie männliche und weibliche Keimzellen entstehen. Bei Mädchen entstehen die Eizellen zu Beginn des Lebens und teilen sich anschließend nicht mehr. Ein Mann aber produziert Zeit seines Lebens kontinuierlich neue Spermien. Deren Vorläuferzellen durchlaufen also sehr viel mehr Teilungszyklen und sammeln somit auch mehr Mutationen an.
Interessant sind die Ergebnisse nach Meinung der Wissenschaftler vor allem, weil die Menschen immer später Eltern werden. So waren Männer, die im Jahr 1980 Väter wurden, durchschnittlich 27,9 Jahre alt. 2011 Jahr lag das Durchschnittsalter bei 30 Jahren. Die 1980 geborenen Kinder hatten jeweils rund knapp 60, die 2011 geborenen fast 70 De-novo-Mutationen.