Apple steckte mehr als eine Milliarde Dollar in Werbung
Baku, den 4.August (AZERTAG). Per Gericht will Apple das Design seiner Produkte schützen - und gibt zugleich in einem Prozess bisher geheimgehaltene Interna preis. So investierte der Konzern beim iPhone und iPad 2 mehr als eine Milliarde Dollar in Werbung. Die Manager erwogen außerdem, ein Auto auf den Markt zu bringen.
Apple ist für seine Geheimniskrämerei berüchtigt. Doch nun muss der Konzern vor Gericht einiges über seine internen Abläufe verraten. Apple will dem Konkurrenten Samsung nachweisen, dass dieser das Design von iPhone und iPad kopiert hat. Um die Richter und Geschworenen zu überzeugen, müssen die Apple-Manager auch Einblick in ihre Welt gewähren.
Marketing-Chef Phil Schiller verriet am Freitag vor dem Gericht im kalifornischen San Jose, mit welchen Summen Apple seine Produkte vermarktet. Seit der Markteinführung 2007 habe das Unternehmen insgesamt 647 Millionen Dollar in Werbung für das iPhone gesteckt, sagte er. Für die zwei Jahre alte iPad-Linie seien mehr als 457 Millionen Dollar ausgegeben worden. Allein im vergangenen Geschäftsjahr waren es 228,6 Millionen Dollar für das iPhone und 307,7 Millionen Dollar für das iPad.
Schiller schilderte auch den Moment, als er das erste Mal das Samsung-Konkurrenzprodukt zum iPhone erblickte. Er sei schockiert gewesen, als er zum ersten Mal das Smartphone Galaxy S gesehen habe, sagte der Manager. „Ich dachte, sie werden unsere gesamte Produktpalette kopieren.“
Allerdings werfen auch die Südkoreaner dem US-Konzern bei Technologie- und Ausstattung Ideenklau vor, etwa wie man Fotos mit dem Smartphone aufnimmt und dann per E-Mail weiterschickt.
Die beiden Konzerne fordern jeweils Schadensersatz in Milliardenhöhe. Doch für sie steht daneben noch mehr auf dem Spiel: Samsung droht ein Verkaufsverbot seiner Galaxy-Smartphones und -Tablets in den USA, bei Apple ist der Prozess die Bewährungsprobe für die weltweite Patentstrategie.
Apple-Entwickler dachten über „verrückte Sachen“ nach-Der Tech-Konzern schaffte mit dem iPod den Durchbruch bei den Massenprodukten. Nach diesem Erfolg sei über viele weitere mögliche Produkte nachgedacht worden, sagte Schiller. Darunter seien zum Teil „verrückte Sachen“ gewesen. Demnach war neben einer Kamera auch die Idee für ein Auto im Gespräch. Die Apple-Führung um Gründer Steve Jobs habe sich aber schließlich für den Einstieg ins Handy-Geschäft mit dem iPhone entschieden.
Apple und Samsung liefern sich bereits seit mehr als einem Jahr einen weltweiten Patentkrieg, unter anderem in Deutschland und Australien. In den USA müssen sie nun Geschworene überzeugen - teils mit öffentlichkeitswirksamen Mitteln. So wollte Samsung mit einer Szene aus dem Science-Fiction-Klassiker „2001 - Odyssee im Weltraum“ zeigen, dass Apple mit seinen Geräten nicht etwas wirklich Neues erfunden habe. Das Argument. In dem mehr als 40 Jahre alten Film nutzen Raumfahrer bereits Geräte, die Ähnlichkeit mit einem Tablet-Computer haben. Allerdings ließ das Gericht den Film nicht als Beweismittel zu.
In dem Prozess kam auch zutage, dass iTunes-Chef Eddy Cue sich bereits seit Ende 2010 für ein kleineres iPad-Modell stark machte. Der damalige Konzernchef Jobs hatte zu dieser Zeit die Mini-Tablets der Konkurrenz wegen der Größe noch öffentlich als „Totgeburten“ abgetan.
Der Apple-Manager Scott Forstall berichtete, unter welcher Geheimhaltung das iPhone seinerzeit entwickelt wurde. So sei dafür ein ganzes Gebäude auf dem Apple-Gelände freigemacht worden. Die für das Projekt rekrutierten Mitarbeiter mussten zusagen, bevor sie wussten, woran sie überhaupt arbeiten sollten.