Apples Zehn-Zoll-Mantra und die iPad-Mini-Frage
Baku, den 4. Juli (AZERTAG). Bislang hat Apple den Tablet-Markt fast nach Belieben dominiert. Doch nun gibt es ernsthafte Konkurrenz. Der US-Konzern muss womöglich von einem von Steve Jobs formulierten Grundsatz abrücken.
Apple-Gründer Steve Jobs schreckte nie vor klaren Absagen zurück. War er der Meinung, dass eine Technologie für Apple und seine Kunden keine Vorteile brachte, kehrte er ihr ohne Zögern höchst öffentlich den Rücken zu: „Man denkt natürlich, dass ein Sieben-Zoll-Bildschirm 70 Prozent der Vorteile eines Zehn-Zoll-Bildschirms bietet“, sagte er 2010 bei einer Analysten-Konferenz.
„Leider ist das weit von der Wahrheit entfernt. Wir werden kein 7-Zoll-Tablet bauen - nicht weil wir den niedrigeren Preis scheuen, sondern weil wir denken, dass der Bildschirm zu klein ist, um Tablet-Programme anzuzeigen.“ Jobs hoffte, so alle Gerüchte über ein Mini-iPad im Keim zu ersticken. Solange er am Ruder war, sollte es keine Sparversion des Kassenschlagers geben.
Wie falsch Jobs trotzdem lag, bewies Amazons Kindle Fire-Tablet, welches anderthalb Jahre später auf den Markt kam: Das Gerät wurde im US-Weihnachtsgeschäft 2011 ein echter Hit, es kostet mit dem Kampfpreis von 200 Dollar gerade einmal ein Drittel des Preises, den Apple für ein ordentlich ausgestattetes iPad verlangt.
Viel Leistung für wenig Geld-Betriebssystem und Hardware-Ausstattung des Kindle Fire sind nicht mit einem iPad zu vergleichen, doch diesen Sicherheitsabstand unterschreitet der Internetkonzern Google nun mit seinem vergangene Woche vorgestellten Nexus 7-Tablet: Der verbaute Prozessor ist gleichwertig zu Apples Lösung, das Display ist ebenfalls hochauflösend, die Software ist vollwertig, das ganze Gerät kostet trotzdem nur 200 Dollar.
Damit gerät Apple im Tablet-Markt erstmals ernsthaft unter Preisdruck. Und es scheint so, als ob der Konzern die Warnung des im Herbst 2011 verstorbenen Gründers Steve Jobs in den Wind schlägt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete am Dienstagabend, sie habe aus Insiderkreisen sichere Informationen über ein geplantes iPad Mini erhalten, das Apple im Oktober zeitgleich zum kommenden iPhone 5 vorstellen will.
Diesmal gibt es auch schon Informationen über die verbaute Hardware. Die Apple-Auguren der chinesischen Seite mydrivers berichteten, dass Apples Zulieferer bereits ein 7,85-zoll Display auf Basis der neuen stromsparenden IGZo-Technik beim Bildschirmspezialisten Sharp einkaufen. Das Display soll die Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln anzeigen, dieselbe also, die auch schon die beiden ersten iPad-Versionen mitbrachten. Das hätte den Vorteil, dass alle für die ersten iPads geschriebenen Tablet-Programme in Apples App-Store ohne Umstellung auch auf dem iPad Mini angezeigt würden.