Atomenergie verliert weltweit an Bedeutung
Baku, den 6. Juli (AZERTAG). Die Atomindustrie befindet sich laut einer Studie im Niedergang. Weltweit wurden seit der Fukushima-Katastrophe 21 Reaktoren stillgelegt, aber nur neun neue in Betrieb genommen. Selbst China überdenkt offenbar seine Energiepolitik.
Rund 15 Monate nach dem Unglück von Fukushima beginnt Japan wieder mit der Produktion von Atomstrom. Doch weltweit verliert die Nuklearindustrie laut einer Studie an Bedeutung. „Die meisten Neubauprojekte sind storniert, verschoben oder komplett annulliert worden“, sagt der Energieexperte Mycle Schneider und fasst damit die Ergebnisse des „World Nuclear Industry Status Report 2012“ zusammen, den er mit seiner Beratungsfirma verfasst hat.
Laut dem Bericht wurden in den vergangenen 18 Monaten weltweit 21 Reaktoren stillgelegt und nur neun neue Anlagen in Betrieb genommen. Bei den Stilllegungen berücksichtigte Schneider im Gegensatz zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) auch sechs Fukushima-Reaktoren. Schneiders Begründung: Diese Anlagen könnten „beinahe sicher“ nie mehr genutzt werden.
Die angebliche Atomrenaissance ist laut Schneiders Studie eine Mär. Zwar seien weltweit noch 59 Reaktoren im Bau, die Vorhaben existierten aber zum Teil seit mehr als 20 Jahren. Viele Projekte hängen immer länger hinter dem Zeitplan zurück. Ob sie je fertiggestellt werden, sei unklar.
Insgesamt sind dem Report zufolge noch 429 Reaktoren mit einer installierten Leistung von 364 Gigawatt am Netz. Die Kernkraftnutzung habe damit ihren Höhepunkt deutlich überschritten, sagt Schneider. Im Jahr 2002 waren noch 444 Reaktoren in Betrieb.
Auch die Menge des Stroms, den alle Reaktoren zusammen produzieren, lag dem Bericht zufolge 2011 gut fünf Prozent unter dem historischen Rekord des Jahres 2006. Der Anteil der Kernenergie an der weltweiten Stromproduktion sinkt laut der Studie bereits seit 1993 - von damals 17 Prozent auf derzeit elf Prozent.