Blackberry feiert überraschendes Comeback
Baku, den 30. März (AZERTAG). Der Untergang von Blackberry schien lange unausweichlich - doch der Smartphone-Pionier meldet sich spektakulär zurück. Die neuen Modelle sind bei Kunden begehrt, im vergangenen Quartal erwirtschaftete der Konzern zum ersten Mal seit langem einen Gewinn von knapp 100 Millionen Dollar.
Totgesagte leben länger: Blackberry ist zur Überraschung der Börsenprofis in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das vom deutschen Manager Thorsten Heins geführte Unternehmen konnte im bis Anfang März laufenden vierten Geschäftsquartal einen Gewinn von unterm Strich 98 Millionen Dollar erwirtschaften, obwohl der Umsatz um 36 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar sank.
Im entsprechenden Vorjahreszeitraum war noch ein Minus von 125 Millionen Dollar aufgelaufen. Konzernchef Heins rechnet auch im laufenden Quartal mit schwarzen Zahlen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2012 steht allerdings ein Minus von 646 Millionen Dollar zu Buche.
Die Quartalszahlen des kanadischen Herstellers waren mit großer Spannung erwartet worden, vor allem Hinweise darauf, wie erfolgreich sich das neue Modell Z10 verkauft. Einigen Analysten galt vorab die Grenze von einer Million Stück als entscheidend - und exakt diese Menge lieferte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge aus. Das Smartphone wartet mit dem neuen Betriebssystem OS 10 und ohne die für Blackberry-Modelle typische Tastatur auf.
Das Modell kam Ende Januar, also etwa einen Monat vor Ende des vierten Quartals des Blackberry-Geschäftsjahres in den Handel, damals allerdings ausschließlich in kleineren Märkten wie Kanada und Großbritannien. Das Management des Unternehmens hatte die Markteinführung des Z10 bislang zwar stets als Erfolg bezeichnet, allerdings keinerlei konkrete Angaben zu den Verkaufszahlen gemacht.
In den USA ist das Z10 erst seit Mitte März erhältlich. Die ersten Absatzzahlen deuten nun darauf hin, dass sich das Modell tatsächlich zum erhofften Verkaufsschlager entwickeln könnte.
Diesen hätte das Unternehmen dringend nötig. Das neue Smartphone gilt als letzter Hoffnungsträger des angeschlagenen Konzerns. Mit ihm hoffte Thorsten Heins nach seinem Amtsantritt im Januar 2012 das Ruder noch herumreißen zu können.
Denn die Verluste zu Beginn des vergangenen Geschäftsjahres waren horrend - allein im ersten Quartal lagen sie bei 518 Millionen Dollar bei einem Umsatz von weniger als drei Milliarden Dollar. Das Unternehmen - das bis vor kurzem noch Research in Motion (RIM) hieß - kündigte den Abbau von 5000 der bis dahin 16.500 Arbeitsplätze an. Kaum jemand gab der Firma noch echte Chancen auf ein Überleben.
Eiserner Sparkurs sorgt für Gewinn - Denn gegen die Platzhirsche Apple und Samsung schien Blackberry mit seinen zuletzt wie aus der Zeit gefallenen Smartphones auf dem umkämpften Markt keine Chance mehr zu haben. Die Einführung des Hoffnungsträgers Z10 hatte sich zudem um mehr als ein Jahr verschoben, immer wieder hatten technische Probleme den Start verzögert.
Der relative Verkaufserfolg des Z10 gibt der Firma neue Hoffnung - für den überraschenden Gewinn ist aber wohl eher der eiserne Sparkurs mit Massenentlassungen verantwortlich: „Wir haben zahlreiche Änderungen über das vergangene Jahr bei Blackberry vorgenommen“, sagte Konzernchef Heins bei der Bekanntgabe der Zahlen. Insgesamt setzte das Unternehmen im vergangenen Quartal lediglich sechs Millionen Smartphones ab - weniger als ein Zehntel der Menge, die Konkurrent Samsung verbuchen konnte.