BRICS-Staaten wollen eigene Entwicklungsbank
Baku, den 27. März (AZERTAG). Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben sich zum Auftakt ihres Gipfels in Durban für ein Gegenstück zu den westlich dominierten IWF und Weltbank entschieden. Auch ein weiterer Beschluss zeigt die Furcht vor Euro- und Dollar-Abhängigkeit.
Am Abend begannen die Präsidenten der BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) in Durban ihr Gipfeltreffen. Zu den Themen, die zwischen den Ländern diskutiert werden, gehören die Gründung einer Entwicklungsbank und einer Rating-Agentur, eines Anti-Krisenfonds, eines Unternehmerrats und eines Einstufungssystems für Universitäten.
Auch die generelle Intensivierung ihrer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit steht auf dem Plan. Der Gastgeber, Südafrikas Präsident Jacob Zuma, hatte das Treffen zudem als Möglichkeit bezeichnet, die Wirtschaftskrise und hohe Arbeitslosigkeit in seinem Land anzugehen.
Am späten Dienstagabend einigten sich die fünf aufstrebenden Schwellenländer auf die Gründung einer gemeinsamen Entwicklungsbank. „Es ist geschafft“, sagte der südafrikanische Finanzminister Pravin Gordhan. Er nannte keine Details zu der geplanten Bankengründung, diese sollen jedoch wohl in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. Der südafrikanische Arbeitsminister Rob Davies sagte, es werde noch an den Einzelheiten gearbeitet. „Es muss ein Prozess angestoßen werden, um die weiteren Details zu klären“, sagte er.
Die Bank soll bisherigen Plänen zufolge vor allem Infrastrukturprojekte finanzieren. Umstritten sind aber noch ihre Größe, die Kriterien für die Vergabe von Geldern und der Sitz des Instituts. Es wird voraussichtlich mehrere Jahre dauern, bis die Bank ihre Arbeit aufnimmt und in Konkurrenz zur Weltbank tritt.
Der Gipfel in Durban ist der erste für Chinas neuen Staatschef Xi Jinping. Bei einer Rede am Montag in Tansania hob Xi die „ernsthafte Freundschaft“ seines Landes mit Afrika hervor. Es sei eine Beziehung, die Afrikas „Würde und Unabhängigkeit“ respektiere.
Brasilien und China haben sich darüberhinaus kurz vor dem Gipfel geeinigt, im Handel miteinander zukünftig ihre eigenen Währungen zu benutzen. Dies soll mindestens bis zu einem Volumen von 30 Milliarden Dollar pro Jahr gelten. Diese Übereinkunft wurde für drei Jahre geschlossen. Hintergrund ist das Bestreben, die Abhängigkeit von Dollar und Euro zu verringern. Der brasilianische Finanzminister Guido Mantega äußerte seine Hoffnung, solche Übereinkünfte auch mit anderen Ländern abschließen zu können.
Brasilien, Russland, Indien und China haben die Vereinigung 2009 als „BRIC“ gegründet, nach dem Beitritt Südafrikas 2010 wurde der Name in „BRICS“ geändert. Die Staaten umfassen 40 Prozent der Weltbevölkerung und erwirtschaften zusammen ein Viertel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts.
Eine Antwort auf den Wunsch des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi nach einer Aufnahme seines Landes in die Gruppe der aufstrebenden Schwellenländer steht noch aus.