Chinas Staatsfirmen investieren massiv in Europa
Baku, den 16. April (AZERTAG). Chinesische Staatskonzerne kaufen sich gezielt in Europa ein. Experten sehen den Anfang einer gewaltigen Einkaufstour aus Fernost.
Chinas Staatskonzerne weiten ihren Einfluss in Europa aus. Allein im Jahr 2012 steckten Unternehmen aus der Volksrepublik mehr als 12,6 Milliarden Dollar in Übernahmen europäischer Firmen und Beteiligungen. Das ergibt eine bislang unveröffentlichte Studie des Hongkonger Private-Equity-Anbieters A Capital.
Die Investitionen der Chinesen sind demnach gegenüber 2011 um rund ein Fünftel gestiegen. Und sie sind größer als in ganz Nordamerikaund Asien zusammen. 86 Prozent der Investments flossen der Studie zufolge in die Sektoren Industrie und Dienstleistungen.
Die Studie von A Capital ist die bislang umfassendste zu chinesischen Investments in Europa. Der Private-Equity-Anbieter hat selbst die chinesische Regierung als Geldgeber an Bord - über den Staatsfonds China Investment Corporation (CIC).
Zuletzt hatten chinesische Firmen für Furore gesorgt, als sie sich bei hiesigen Vorzeigeunternehmen wie dem Betonpumpenhersteller Putzmeister, dem Gabelstaplerbauer Kion oder dem Computerhersteller Medion einkauften.
„Viele chinesische Kapitalgeber betrachten Europas derzeitige Schwäche als Einstiegsgelegenheit“, sagt A-Capital-Chef André Loesekrug-Pietri. „Sie suchen Technologie, Knowhow, hochwertige Marken - und werden hier fündig.“ Viele europäische Unternehmen sind Weltspitze in Sektoren wie Maschinenbau, Automobil, Umwelt oder Gesundheit.
Diesen Schlüsselbranchen räumt Chinas Führung in ihrem neuen Fünfjahresplan oberste Priorität ein. Der Staatsrat fördert Unternehmen bei ihrer Expansion ins Ausland mit Billigkrediten und Steuervergünstigungen. 93 Prozent der Investments in Europa stammen von Staatsbetrieben.
Investment-Paradies Europa - „In Europa sind die Widerstände gegen solche Beteiligungen geringer als anderswo“, sagt Loesekrug-Pietri. In Amerika dagegen sind die Vorbehalte gegen die undurchsichtigen Interessenten aus Fernost größer. So blockte vergangenen Oktober in den USA der Regierungsausschuss CFIUS die geplante Übernahme des Flugzeugherstellers Hawker Beechcraft durch einen chinesischen Wettwerber - aus Gründen der nationalen Sicherheit. Dieses Committee on Foreign Investment in the United States hatte bereits 2008 dem chinesischen Staatskonzern Huawei den Kauf des Netzwerksanbieters 3Com verboten.
Kanadas Regierung segnete vor einigen Monaten zwar nach langem Hin und Her die Übernahme des Ölproduzenten Nexen durch den chinesischen Staatskonzern Cnooc ab. Zugleich aber kündigte sie an, solche Investitionen künftig nur noch in Ausnahmefällen zu erlauben.
In Europa dagegen konnten die Chinesen weitgehend ungehindert auf Einkaufstour gehen. So beteiligte sich der Staatsfonds CIC mit zehn Prozent am Londoner Flughafen Heathrow und mit sieben Prozent am französischen Satellitenbetreiber Eutelsat. Der staatliche Stromkonzern China Three Gorges übernahm 21 Prozent des einstigen portugiesischen Monopolisten Energias de Portugal. A Capital selbst hat sich beim dänischen Hi-Fi-Spezialisten Bang & Olufsen und beim Club Méditerranée eingekauft.
„Die Europäer sehen das pragmatischer als die Amerikaner“, sagt Loesekrug-Pietri. Gerade im rezessionsgeplagten Süden des Kontinents benötigen große Teile Wirtschaft frisches Kapital. Zudem erhoffen sich gerade mittelständische Unternehmen von ihren neuen Anteilseignern einen erleichterten Zugang zum Wachstumsmarkt China.
„Was wir gerade an Deals sehen, ist nur der Anfang“, sagt Loesekrug-Pietri. Für die kommenden Jahre sieht er gewaltige Potentiale.