Die fetten Jahre in China sind vorüber
Baku, den 7. Mai (AZERTAG). Deutsche Konzerne haben sich an ein sattes Wachstum aus China gewöhnt. Doch damit ist Schluss, seit die Regierung in Peking auf wirtschaftliche Abkühlung setzt. Das trifft auch Siemens hart.
Peter Löscher kennt sich mit China aus. Der Siemens-Chef hat einst in Hongkong studiert und sitzt dem Asien-Pazifik-Ausschuss der deutschen Wirtschaft vor. Auch deshalb musste er dieser Tage den Analysten erläutern, warum plötzlich das China-Geschäft von Siemens nicht mehr so rund läuft.
In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres, das Ende September endet, brach dort der Auftragseingang um 15 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro ein. Der Umsatz sank um sieben Prozent auf 2,8 Mrd. Euro. Flaute in China? Das hört man selten.
Löscher begründet die enttäuschende Entwicklung mit „fehlendem Geschäft bei der Ausrüstung der Eisenbahn“, was wiederum mit „Verzögerungen bei Investitionsentscheidungen“ zu tun habe. Mit anderen Worten: Die Zeiten, da die Chinesen Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens in großem Stil einkauften, sind erst einmal vorbei. Schwächen machte Löscher allerdings nicht nur beim Bahn-, sondern auch beim Energiegeschäft aus.
Die deutschen Konzerne haben sich an sattes Wachstum in China gewöhnt. Mit China als Absatzmarkt konnten deutsche Unternehmen die Schwächen im rezessionsgeplagten oder stagnierenden Europa ausgleichen. Dass sich nun Warnhinweise in den Bilanzen deutscher Unternehmen finden, ist neu.
Ein genauer Blick zeigt allerdings: Vor allem Unternehmen, die die Infrastruktur in China modernisieren wollen, sind betroffen. Konsumgüterproduzenten hingegen könnten profitieren.
Chinas Wachstum fällt schwächer aus. Die Regierung in China hat im vergangenen Frühjahr auf die Befürchtungen, die Wirtschaft könnte überhitzen, reagiert und dem Land eine Abkühlung verordnet. So will China künftig stärker den Binnenkonsum fördern, statt den Export zu forcieren oder durch massive öffentliche Investitionen, etwa in Straßen und Schienennetze, neue Impulse zu setzen.
Die Effekte zeigen sich bereits. Legte die chinesische Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten noch zweistellig zu, waren es 2011 nur noch 9,2 Prozent - und im laufenden Jahr werden es nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds 8,2 Prozent sein.