Eisbär stirbt an Zebra-Virus
Baku 17. August (AZERTAG). Ein Eisbär schwer erkrankt, einer verstorben: Wissenschaftler haben jetzt ermittelt, welcher Erreger die Zootiere in Wuppertal 2010 erwischt hatte. Die Bären fingen sich ein Herpes-Virus ein, das eigentlich unter Zebras verbreitet ist. Mediziner stehen vor einem Rätsel.
Im Juni 2010 erkrankten zwei Eisbären im Wuppertaler Zoo an einer Gehirnentzündung. Zuerst litt Weibchen Jerka unter einer Form epileptischer Anfälle, später auch Männchen Lars. Jerka starb acht Tage nach dem Einsetzen der ersten Symptome, Lars erholte sich wieder. Wie ein internationales Forscherteam jetzt im Fachmagazin “Current Biology” berichtet, hat ein von Zebras stammendes Herpes-Virus die Krankheit ausgelöst.
“Die Symptome waren ziemlich schockierend, und zu diesem Zeitpunkt war die Krankheitsursache völlig unklar. Tagelang versuchten wir, den Zustand der beiden Tiere zu stabiliseren”, sagt der Zoo-Tierarzt von Wuppertal, Arne Lawrenz.
Das beteiligte Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung berichtet, dass auch ein anderer Eisbär dieses Virus in sich trug. Doch der war Jahre zuvor in einem anderen Zoo an Nierenversagen gestorben und hatte nie Kontakt mit Jerka oder Lars.
Wissenschaftler hatten das Virus durch aufwendige Untersuchungen an Jerka, Lars und neun weiteren Eisbären als Ursache der Gehirnentzündungen ermittelt. Bei dem Erreger handelt es sich um eine Kombination zweier Herpes-Viren, die als EH1 und EH9 bezeichnet werden - beide sind unter Zebras verbreitet.
Verbreiten wildlebende Nager den Erreger?- Unbekannt sei, wie die Eisbären sich infiziert haben könnten, erklärten die Forscher. In Wuppertal werden Zebras und Eisbären von verschiedenen Tierpflegern betreut, zwischen den Gehegen liegen etwa 70 Meter. Möglicherweise haben Ratten oder Mäuse, die wild im Zoo leben und verschiedene Areale durchqueren, die Viren verbreitet.
Bären und Zebras seien nicht die einzigen Wirte, da die Ursprungsviren als Erreger von Gehirnentzündungen auch bei Zootierarten wie Gazellen und Meerschweinchen gefunden wurden. “Diese Viren scheinen viele Artgrenzen überwinden zu können - genaugenommen wissen wir jetzt nicht einmal, ob sie überhaupt Artgrenzen haben”, sagt der an der Studie beteiligte Forscher Klaus Osterrieder von der Freien Universität Berlin. “Solche, auf andere Spezies übergehenden Viren können, wenn sie nicht erkannt werden, die Artenschutz-Mission von Zoos gefährden”, fürchten die Wissenschaftler.
Der Tierpark in Wuppertal will die Eisbären nun regelmäßig untersuchen. “Jetzt, da wir mehr darüber wissen, sind wir besser vorbereitet und können bereits im Vorfeld aktiv werden”, erläuterte der Zoo-Tierarzt. Erst im Januar war ein Eisbärmädchen namens Anori im Zoo auf die Welt gekommen.