Erdsystem hat bereits sieben von neun Belastungsgrenzen überschritten
Baku, 26. September, AZERTAC
Neun verschiedene Belastungsgrenzen hat das Erdsystem, und davon sind mittlerweile sieben überschritten – eine mehr als im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt der veröffentlichte „Planetary Health Check 2025“-Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Neu im Gefahrenbereich: die Ozean-Versauerung. Hauptursache sei die Verbrennung fossiler Energieträger, verstärkt durch Abholzung und Landnutzungswandel.
Seit Beginn der Industrialisierung sei der pH-Wert der Ozeanoberfläche um rund 0,1 pH-Werteinheiten gesunken, heißt es in dem Bericht. Das bedeute eine Zunahme der Versauerung um 30 bis 40 Prozent. Die Meere verlieren dem PIK zufolge dadurch zunehmend ihre stabilisierende Rolle im Erdsystem. Die Folgen seien bereits spürbar: Kaltwasserkorallen, tropische Riffe und arktische Ökosysteme gerieten unter Druck.
Auch zeigen laut PIK winzige Meeresschnecken, sogenannte Flügelschnecken , bereits Schädigungen an ihren Schalen. Sie seien eine wichtige Nahrungsquelle für Fische und Wale.
Luftverschmutzung und Ozonschicht im sicheren Bereich
Die nun sieben überschrittenen planetaren Grenzen sind demnach:
Klimawandel,
Integrität der Biosphäre – die Autoren verstehen darunter, wie stabil und widerstandsfähig das „Netz des Lebens“ auf der Erde ist, also ob genug Arten, Lebensräume und ökologische Funktionen erhalten bleiben, damit die Natur ihre Aufgaben erfüllen kann,
Veränderung der Landnutzung – also wie stark Menschen die Landschaften der Erde verändern, etwa indem sie Ackerflächen, Viehzucht und Siedlungen ausweiten oder Wälder abholzen,
Veränderung des Süßwasserkreislaufs,
Veränderung der biogeochemischen Kreisläufe, also der natürlichen „Recycling-Systeme“ der Erde, in denen lebenswichtige Elemente wie Stickstoff und Phosphor zwischen Boden, Wasser, Luft und Lebewesen zirkulieren,
Eintrag menschengemachter Substanzen – gemeint sind Stoffe wie Plastik oder Schwermetalle, die der Mensch in die Natur „eingeschleppt“ hat,
Ozeanversauerung.
Alle sieben zeigen den Forschenden zufolge in eine bedenkliche Richtung, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Zwei der ausgewiesenen Belastungsgrenzen liegen laut Forschern noch im sicheren Bereich: die Belastung durch Aerosole (Luftverschmutzung) und die Ozonschicht. Sobald eine Grenze überschritten wird, steigt laut Forschern das Risiko, die wichtigen Funktionen der Erde dauerhaft zu schädigen, sowie die Wahrscheinlichkeit, dass Kipppunkte überschritten werden, die Veränderungen unumkehrbar machen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachten diese Grenzen anhand zentraler Indikatoren.