Erstmals Schweineleber in lebenden Patienten transplantiert
Baku, 10. Oktober, AZERTAC
Wer ein neues Organ benötigt, muss auf die Spende eines Verstorbenen hoffen. Viele warten vergebens, weil es zu wenige Spenderorgane gibt. Seit Langem gibt es deshalb Versuche, Organe von Tieren zu transplantieren. Nun ist chinesischen Medizinern ein wichtiger Schritt gelungen: Sie haben weltweit erstmals die Leber eines Schweins in einen lebenden Menschen eingesetzt.
Fachleute sprechen bei solchen Eingriffen von Xenotransplantation, gemeint ist die Verpflanzung tierischer Organe, Gewebe oder Zellen. Nieren und Herzen von Schweinen wurden in Versuchen bereits in Menschen transplantiert, im August wurde etwa eine Schweinelunge in einen hirntoten Menschen verpflanzt.
Auch eine Schweineleber wurde kürzlich transplantiert – allerdings ebenfalls in einen hirntoten Menschen. Solche Eingriffe bei Verstorbenen zu Forschungszwecken sind wichtig, um das Risiko für Transplantationen bei lebenden Patienten möglichst gering zu halten.
Erbgut des Schweins an zehn Stellen verändert - Die Technik birgt große Herausforderungen. Schon bei Transplantationen zwischen Menschen muss das Immunsystem des Empfängers unterdrückt werden, damit das Organ nicht abgestoßen wird. Bei tierischen Organen ist der Unterschied noch größer. Die genutzten Schweine werden deshalb zuvor genetisch verändert.
Der Patient aus dem aktuellen Versuch litt an einer Hepatitis-B-bedingten Zirrhose und einem großen Leberzellkarzinom, berichten die Mediziner im Fachblatt »Journal of Hepatology« . Das Erbgut des Spenderschweins wurde vor der Transplantation an zehn Stellen verändert, um Abstoßungsreaktionen zu vermeiden.
Probleme ab Tag 31 - In den ersten Wochen gab es der Studie zufolge kaum Probleme. Das Organ habe sogar Galle produziert, was darauf hindeutet, dass es wie gewünscht arbeitete. Ab dem 31. Tag jedoch habe es Komplikationen an Blutgefäßen gegeben, am 38. Tag sei die Leber daher wieder entfernt worden.
Der Zustand des Mannes habe sich daraufhin für einige Wochen wieder verbessert. »Leider kam es am 135. Tag nach der Operation zu einer plötzlichen Blutung im oberen Magen-Darm-Trakt«, hieß es von den Forschenden. Die Blutungen hätten schließlich am 171. Tag nach der Operation zum Tod des Mannes geführt.
Der Eingriff gilt trotzdem als Erfolg. Der Versuch beweise, dass eine gentechnisch veränderte Schweineleber über einen längeren Zeitraum im menschlichen Körper funktionieren könne, sagte Studienleiter Beicheng Sun von der Anhui Medical University in China.
Nun müssten weitere Hürden überwunden werden, berichtet das chinesische Forschungsteam. So kann es etwa zu Gerinnungsstörungen kommen und zu immunologischen Komplikationen, weil der Körper das fremde Organ abstößt.
Ergebnisse ermutigend - Dennoch sei die Studie im Vergleich zu früheren Arbeiten als bedeutender Fortschritt im Bereich der Xenotransplantation zu werten, sagte Daniel Reichart von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Die Xenotransplantation einer Leber gilt als besonders herausfordernd, unter anderem, weil die von der Leber produzierten Eiweiße sehr spezifisch für Menschen sind, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Es sei zu erwarten gewesen, dass die Leistung der transplantierten Leber aufgrund artspezifischer Unterschiede eingeschränkt sein würde, sagte Reichart. “Dennoch sind die Ergebnisse ermutigend. Sie zeigen, dass mit weiterer Forschung und verbessertem Verständnis auch im Bereich der Xeno-Lebertransplantation Fortschritte möglich sind”.