Gipfel in Südkorea: Menschen produzieren jedes Jahr 400 Millionen Tonnen Plastikmüll
Baku, 25. November, AZERTAC
Im südkoreanischen Busan hat die mutmaßlich finale Verhandlungsrunde für das geplante Uno-Plastikabkommen begonnen. Insgesamt sieben Tage werden Delegierte aus über 170 Staaten die letzten Details eines Abkommens aushandeln, das die wachsende Plastikverschmutzung in den Meeren und an Land mit verbindlichen Vorgaben aufhalten soll.
„Am Ende dieser Woche muss der Hammer für ein Instrument fallen, das einen ehrgeizigen Ausgangspunkt darstellt“, sagte Inger Andersen, Chefin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep). „Nicht alles wird so detailliert sein, wie manche es sich wünschen. Aber die groben Konturen und Striche müssen vorhanden sein“, so Andersen.
Studien zu Mikroplastik immer schwerer – Kontrollgruppe fehlt - Global werden laut Uno jährlich knapp 400 Millionen Tonnen Plastikmüll produziert, Tendenz steigend. 1950 waren es noch rund 1,5 Millionen Tonnen. In Deutschland fallen nach Informationen des Bundesumweltamts knapp 6 Millionen Tonnen an Kunststoffabfällen an. Auf dem Meeresgrund soll australischen Forschern zufolge rund elf Millionen Tonnen Plastik liegen. Die Plastikverschmutzung am Meeresboden wäre demnach rund hundertmal so groß wie die an der Meeresoberfläche.
Mit der enormen Verschmutzung geht ein weiteres Problem einher: Die Folgen für den menschlichen Körper lassen sich kaum mehr untersuchen. Weil Mikroplastik, das etwa beim Zerfall von Plastikmüll entsteht, mittlerweile so weitverbreitet ist, können Studien seltener belastbare Aussagen treffen. Denn es fehlt die Kontrollgruppe von Menschen, die noch kein Mikroplastik in sich tragen. Das belegt eine Untersuchung von Forschern der Uni Toronto . Sie fanden heraus, dass in rund 90 Prozent aller Proteine in unserer Nahrung Mikroplastik nachgewiesen werden kann.
Über das Plastikmüllabkommen der Uno wird noch beraten. Nach wie vor gibt es etliche offene Streitfragen. Ein zentraler Punkt betrifft die Plastikproduktion. Während die Europäische Union verbindliche Obergrenzen fordert, lehnen Staaten wie China und Saudi-Arabien dies ab und fordern stattdessen einen Fokus auf die Frage nach effizienter Abfallwirtschaft.
„Die Gefahr eines schwachen, unverbindlichen Abkommens ist groß“, warnte Moritz Jäger-Roschko von Greenpeace, der in Busan an den Verhandlungen teilnimmt. Man müsse das Problem an der Quelle stoppen.