Japans Wirtschaft wächst überraschend stark
Baku, den 17. Mai (AZERTAG). Erdbeben, Tsunami, Fukushima - die verheerenden Katastrophen im vergangenen Jahr haben auch die Wirtschaft in Japan schwer getroffen. Jetzt scheint das Tief überwunden, das Bruttoinlandsprodukt steigt überraschend deutlich an. Doch Wirtschaftsfachleute warnen vor überzogenen Erwartungen.
Der Wiederaufbau schafft Nachfrage. Dank der hohen Investitionen des Staates erholte sich die japanische Wirtschaft schneller von den Folgen des verheerenden Tsunamis vor gut einem Jahr als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal des laufenden Kalenderjahres überraschend deutlich um eine hochgerechnete Jahresrate von real 4,1 Prozent, wie die Regierung am Donnerstag in Tokio auf vorläufiger Basis bekanntgab. Damit übertrifft die drittgrößte Wirtschaftsnation die Wachstumsraten anderer großer Industriestaaten wie den USA, deren BIP im ersten Quartal schrumpfte.
Das Wachstum hat aber auch eine Kehrseite. Anders als Europa und die USA nimmt die japanische Regierung massiv Kredite auf. Dabei ist schon jetzt die Staatsverschuldung Japans doppelt so hoch wie das Bruttoinlandsprodukt - höher als in jeder anderen Industrienation, wenngleich der Staat vor allem bei seinen eigenen Bürgern verschuldet ist. Die Regierung versucht jetzt, die Verbrauchssteuer zu erhöhen, um den Schuldenberg abzubauen, was aber politisch höchst riskant ist.
Ökonomen sind trotz der jüngsten BIP-Zahlen denn auch nicht übermäßig optimistisch für das weiter stark exportabhängige Japan. Die Lage der Weltwirtschaft, die Schuldenkrise in Europa und der starke Yen stellten Risiken dar, auch wenn der Export im ersten Quartal nicht zuletzt dank einer sich abzeichnenden Erholung in den USA zulegte. So stiegen die Ausfuhren von Gütern und Dienstleistungen um 2,9 Prozent, die Importe um 1,9 Prozent. Die Auslandsnachfrage trug aber nur 0,1 Punkte zum BIP bei, die Binnennachfrage dagegen 0,9.
Ökonomen bezweifeln jedoch angesichts der Weltwirtschaftslage, dass Japan die relativ hohe Wachstumsrate aufrechterhalten kann. Hinzu kommt die andauernde Deflation. Dank der Staatsausgaben für den Wiederaufbau - sie legten kräftig um 5,4 Prozent zu - stieg Japans Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal um ein Prozent. Der Privatkonsum, der in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beiträgt, stieg im vierten Quartal in Folge, und zwar um 1,1 Prozent, teilte die Regierung mit.
Die Unternehmen drosselten dagegen ihre Investitionen um 3,9 Prozent, die allerdings im Vorquartal um 5,2 Prozent angestiegen waren. Manche Experten sehen dahinter Anzeichen, dass Japans Unternehmen in Reaktion auf den dramatischen Anstieg des Yen, der die Exporte stark verteuert, mehr in Übersee als in Japan investieren und Produktionsbereiche aus Kostengründen verstärkt ins Ausland verlegen.