Neue Vorwürfe gegen US-Bank JP Morgan
Baku, den 3. Mai (AZERTAG). Die US-Bank JP Morgan Chase bekommt neuen Ärger mit den Regulierungsbehörden. Laut „New York Times“ haben Ermittler Hinweise auf Manipulationen am Energiemarkt gefunden. Mittendrin in dem möglichen Skandal steckt demnach Blythe Masters - eine Legende der Wall Street.
Es ist noch nicht lange her, da galt JP Morgan als die Vorzeigebank der USA - doch spätestens seit dem Zockerskandal im vergangenen Jahr ist das Image des größten Finanzinstituts des Landes gehörig angekratzt. Mittlerweile kommt es für JP Morgan richtig dicke: Gleich an mehreren Fronten muss sich die Bank mit Vorwürfen der Regulierungsbehörden auseinandersetzen.
Der neueste Ärger droht laut einem Bericht der „New York Times“ von der staatlichen Energieregulierungsbehörde FERC. Deren Experten sollen „Manipulationssysteme“ entdeckt haben, mit denen „verlustreiche Kraftwerke zu mächtigen Gewinnmaschinen“ gemacht wurden. Es gehe um Fälle in den Bundesstaaten Kalifornien und Michigan. Ob die Behörde ein Verfahren einleite, sei noch nicht formell beschlossen.
Im Zentrum des potentiellen Skandals steht laut dem Bericht der Behörde offenbar die legendäre Bankerin Blythe Masters, die den Rohstoffhandel der Bank leitet. Sie soll unter Eid beteuert haben, dass sie nicht von den Problemen wisse - eine Aussage, die die Ermittler für falsch halten.
Masters ist eine Ikone der Wall Street. Sie gilt als Erfinderin der sogenannten Credit Default Swaps (CDS) - Finanzderivate, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von Krediten versichern können. Die Papiere wurden im Zuge der Finanzkrise 2008 einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als sie den Zusammenbruch des damals weltgrößten Versicherungskonzerns AIG auslösten. Auch in der Euro-Krise gerieten die CDS stark in die Kritik, weil Spekulanten mit ihrer Hilfe auf die Pleite von Staaten wetten können.
Eine Sprecherin von JP Morgan verteidigte Masters laut „New York Times“ gegen die nun erhobenen Vorwürfe. „Wir bestreiten aufs Schärfste, dass Blythe Masters oder sonstige Mitarbeiter in dieser Angelegenheit gelogen oder unangemessen gehandelt haben.“ Die Bank hat bis Mitte Mai Zeit auf die Vorwürfe zu antworten.
Der Ärger mit der Energiebehörde ist nicht der einzige Streit, den sich JP Morgan derzeit mit den Regulierern liefert. Laut der Zeitung ermitteln mindestens acht Bundesbehörden gegen die Bank. Unter anderem soll das Institut falsche Angaben bei dem Verkauf von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren gemacht haben.
Auch im Skandal um den Milliardenbetrüger Bernie Madoff steht das Geldhaus in der Kritik. Mehr als vier Jahre nach Madoffs Festnahme wirft die Regulierungsbehörde OCC der Bank vor, verdächtige Kontobewegungen nicht gemeldet zu haben. Madoff hatte JP Morgan rund 20 Jahre lang vorrangig für seine Geschäfte genutzt.
Bankchef Jamie Dimon hatte zuletzt in einem Brief an die Aktionäre auf die zahlreichen Probleme mit den Regulierern reagiert und sich entschuldigt. Man werde alles tun, um die nötigen Verbesserungen zu vollenden.