Nike holt Firmenveteran Elliott Hill aus dem Ruhestand zurück
Baku, 20. September, AZERTAC
Sportartikel-Riese Nike kämpft mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. In seiner Not ruft der Verwaltungsrat jetzt den ehemaligen Nike-Manager Elliott Hill aus dem Ruhestand zurück. Er soll zum 14. Oktober die Führung übernehmen. Der 60-jährige Hill war in seinen gut drei Jahrzehnten bei Nike unter anderem für das Verbrauchergeschäft zuständig.
Nike hatte den einstigen Unternehmensberater John Donahoe, der zuvor unter anderem die Handelsplattform Ebay geführt hatte, Anfang 2020 zum Chef gemacht. Die Hoffnung war, dass seine Erfahrung aus der Techindustrie den Konzern modernisieren kann.
Fokus auf Direktverkauf gab Rivalen Platz in Sportläden - Zu Donahoes Strategie gehörte, stärker auf Direktverkäufe zu setzen. Die Kehrseite war jedoch, dass der von Nike aufgegebene Regalplatz in Läden durch Produkte der Konkurrenz ausgefüllt wurde. Dadurch wurden die Rivalen von Verbrauchern mehr wahrgenommen.
Die drohende Krise war zunächst schwer auszumachen. In der Coronapandemie, in der alle mehr Zeit für Sport hatten, war der Umsatz des Unternehmens um rund 25 Prozent angestiegen. Zudem warfen die Verkäufe über die eigene Website mehr Gewinn ab, weil man die Einnahmen nicht mit den Einzelhändlern teilen musste.
Doch der Coronaboom währte nicht lange. Im Ende Mai abgeschlossenen Geschäftsjahr stagnierte der Umsatz bei knapp 51,4 Milliarden Dollar. Für das laufende Jahr stellte Nike im Sommer einen Rückgang der Erlöse in Aussicht – nachdem zuvor noch mit einem Plus gerechnet worden war.
Zu viele Neuauflagen - Marktbeobachter kritisieren, dass Nike unter Donahoe bei technologischen Innovationen nachgelassen habe, die Sportartikel attraktiv machen. Zugleich habe die Firma es mit Neuauflagen einiger klassischen Modelle wie Air Force 1 und Air Jordan 1 übertrieben und diesen Markt übersättigt.
Im Frühjahr gelang Nike allerdings ein Coup in Deutschland: Der US-Konzern soll ab 2027 den Erzrivalen Adidas nach mehr als 70 Jahren als Ausstatter der deutschen Fußballnationalmannschaft ablösen. Donahoe feierte das als „Beweis dafür, dass wenn wir unser Bestes bringen, uns niemand schlagen kann“.
Nike steckt gerade in einem von Donahoe gestarteten Sparprogramm, bei dem die Kosten um rund zwei Milliarden Dollar gesenkt werden sollen. Rund zwei Prozent der Arbeitsplätze sind betroffen. Donahoe werde noch bis Ende Januar als Berater für eine reibungslose Amtsübergabe an Bord bleiben, teilte Nike mit.
Die Anleger quittierten den Führungswechsel mit Kaufgesuchen. Die Aktie stieg im nachbörslichen Handel um rund 7,5 Prozent.