Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Odyssee 2023 – One-Way-Ticket zum Mars

 

Baku 16. August (AZERTAG). Ein holländischer Unternehmer plant eine bemannte Mars-Mission - ohne Rückfahrkarte. Das birgt ethische Fragen. Schauen wir den Raumfahrern beim Sterben zu? Geben wir eine Selbstmordpille mit?

Nachdem das Roboter-Fahrzeug Curiosity erfolgreich auf dem Mars gelandet ist, grübelt die Nasa über die zukünftigen Schritte bei der Erforschung unseres Nachbarplaneten nach. Astronauten werden darin zunächst keine Rolle spielen. Diesen Traum will aber der holländische Unternehmer Bas Landsdorp in Erfüllung gehen lassen. Schon im Jahr 2023 sollen vier Menschen auf dem Mars landen und dort eine Kolonie gründen. Nach Landsdorps Meinung ist die hierfür notwendige Technik im Wesentlichen bereits vorhanden. Das sieht nicht jeder so.

Wenn es nach Wernher von Braun gegangen wäre, würden schon seit Jahrzehnten Menschen auf dem Mars leben. Doch er verkannte den Aufwand für ein solches Unternehmen. Vor rund zwanzig Jahren schätzten Experten die Kosten für eine bemannte Mars-Mission auf knapp 500 Milliarden US-Dollar.

„Der Rückflug ist hierbei das teuerste“, sagt der ehemalige Shuttle-Astronaut Ulrich Walter, der heute an der TU München Raumfahrttechnik lehrt. Deshalb schlug 1990 der amerikanische Raumfahrtunternehmer George Herbert vor, Astronauten ohne Rückfahrkarte zum Mars zu bringen. Begeistern konnte er mit dieser Idee kaum jemanden, bis der umtriebige Apollo-11-Astronaut Buzz Aldrin vor zwei Jahren die Idee des „Mars to stay“ wieder publik machte und einige namhafte Mitstreiter gewinnen konnte.

Zwei Satelliten wachen über Astronauten-Bei der Nasa stieß er damit auf taube Ohren. Vollkommen begeistert von diesem Vorhaben ist indes Bas Landsdorp. Bis 2008 arbeitete er an der TU Delft an der Entwicklung von Drachen mit, die aus Wind elektrischen Strom gewinnen. Dann gründete er die Firma Ampyx Power, die fliegende Windkraftwerke in Form von Flugzeugen baut. Einen weit höher fliegenden Traum will er mit der Kolonisierung des Mars verwirklichen. Auf dem Papier steht der Ablauf seines Projekts „Mars One“ schon fest.

Januar 2016: Ein unbemanntes Versorgungsschiff fliegt zum Mars, setzt Lebensmittel und andere lebensnotwendige Dinge auf der Oberfläche ab und dient später als Unterkunft. 2018: Ein Roboter-Fahrzeug landet an derselben Stelle. Er unterstützt die Astronauten später bei vielen Arbeiten. 2021: Zwei weitere Wohneinheiten mit Lebenserhaltungssystemen und ein Rover kommen hinzu.

Außerdem müssen zwei Satelliten den Mars umkreisen, über die die Astronauten ständig Kontakt mit der Erde halten können. Erst wenn in der Station alle Lebenserhaltungssysteme fehlerfrei laufen, machen sich am 14. September 2022 vier Mars-Siedler auf den Weg und werden knapp ein Jahr später als erste Menschen den Boden des Roten Planeten betreten. Von da an wird alle zwei Jahre eine weitere vierköpfige Crew folgen.

Immense Kosten-Landsdorps Idee ambitioniert zu nennen, dürfte noch weit untertrieben sein, auch wenn sie der Physiker und Nobelpreisträger Gerard ’t Hooft unterstützt. So schätzt Landsdorp die Kosten auf lediglich sechs Milliarden Dollar, obwohl mehrere Raketenstarts nötig sein werden. Zum Vergleich: Curiosity allein hat schon 2,5 Milliarden gekostet. „Ich halte sowohl den Kostenrahmen als auch den Zeitplan für völlig unrealistisch“, sagt Ulrich Walter.

Im Moment ist Landsdorp auf der Suche nach Investoren für die Anschubfinanzierung. Sollte der Mars-Flug tatsächlich zustande kommen, will er ihn über eine im Raumfahrtbereich ganz neue Schiene finanzieren. Fernsehrechte. Die diesjährigen Olympischen Spiele haben mehr als fünf Milliarden Dollar an TV-Rechten eingespielt.

Es sollte also ein Leichtes sein, so Landsdorp, mit Live-Übertragungen vom Mars-Flug und dem Alltagsleben der Siedler mindestens ebenso viel Geld einsammeln zu können. Big Brother auf dem Mars gewissermaßen. Nicht ganz unpassend, denn schließlich wurde diese Sendung auch in Holland kreiert.

Die viel zu gering angesetzten Kosten für Mars One sind nur ein Kritikpunkt, der andere bezieht sich auf die notwendige Technik. Landsdorp hat Kontakt zu vielen Raumfahrtunternehmen aufgenommen, um sich über die Möglichkeiten zu informieren. Eine der ersten Adressen ist die von dem Milliardär Elon Musk gegründete Firma Space X. Sie hat ein Raumfahrzeug namens Dragon entwickelt, das erst kürzlich automatisch die Internationale Raumstation angeflogen und mit Verpflegung versorgt hat.

Ein Jahr Flug-Zur Zeit wird die „Dragon” zu einem Raumschiff weiter entwickelt, das bis zu sieben Astronauten und Fracht zur ISS transportieren soll. Landsdorp meint, dass sich dieses Fahrzeug in leicht abgewandelter Form auch für eine Mars-Reise mit Landung eignen wird. Das Problem: Der Flug zur ISS dauert ein oder zwei Tage, die Reise zum Mars knapp ein Jahr.

Außerdem benötigt Landsdorp eine leistungsstarke Rakete, die für wenig Geld tonnenschwere Lasten ins All hebt. Auch hier soll Space X mit seiner in der Entwicklung befindlichen Schwerlastrakete Falcon Heavy die Lösung sein. Ob die allerdings bis 2016 einsatzbereit sein wird, ist ungewiss.

Selbst wenn sich das Transportproblem lösen ließe, bleiben noch sehr viele Fragen offen. Wie schützten sich die Astronauten beispielsweise vor der kosmischen Strahlung, die bei Sonnenausbrüchen besonders intensiv wird und Krebs verursachen kann.

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