Tanker fährt erstmals durch Nordostpassage
Baku, den 6. Dezember (AZERTAG). Erstmals hat im November ein Gastanker die Nordostpassage vor der sibirischen Küste passiert. Mit der früher nicht nutzbaren Route eröffnen sich neue Märkte. Kritiker warnen vor Umweltkatastrophen.
Während bei der Klimakonferenz in Doha um Wege zur Begrenzung der drohenden Katastrophe gerungen wird, freuen sich anderswo Gasverkäufer und Schiffsreeder über steigende Temperaturen.
„Unser Tanker ist unproblematisch und genau nach Plan durch die Nordostpassage nach Japan gekommen“, berichtet Tony Lauritzen von der Reederei Dynagas über den ersten Flüssiggas-Transport längs der früher wegen Eis kaum passierbaren Route im Polarmeer vor der russischen Küste.
Anfang November hatte die „Ob River“, beladen mit 134.738 Kubikmeter flüssigem Gas (LNG), die Leinen im nordnorwegischen Hammerfest losgemacht. Statt wie bisher via Suezkanal stand vor der Besatzung jetzt eine um 20 Tage verkürzte Reise längs der Küste vor Sibirien und durch die Beringstraße Richtung Japan.
Gastransport ein Jahr lang vorbereitet-„Es gab schon Eis, so 30 bis 40 Zentimeter dick, aber das war kein Problem“, berichtet Lauritzen am Telefon aus seinem Büro in Athen. Dynagas hatte diesen ersten Gastransport durch die früher im November eigentlich nicht passierbare Nordostpassage ein Jahr lang vorbereitet. Als Test war das Schiff vorher ohne Ladung in umgekehrter Richtung in westlicher Richtung gefahren.
Dass bei dem Pilotprojekt auch zur Sammlung von Daten jetzt alles gut gegangen ist, freut die Verkäufer von norwegischem Gas aus den arktischen Vorkommen vor Hammerfest. Können sie doch ihr Produkt mit dem viel kürzeren Transportweg statt nur nach Europa und Nordamerika zahlungswilligeren Kunden in Asien bis zur Haustür bringen.
Kritiker befürchten gewaltige Umweltschäden-Andere reagieren weniger erfreut. „Ich fürchte, jetzt wird der Schiffsverkehr durch die Nordostpassage sehr schnell und drastisch zunehmen, ohne dass für ausreichend Sicherheit gesorgt ist“, sagt Thomas Nilsen vom Online-Magazin „Barents Observer“ in Kirkenes, an der Arktis-Grenze zwischen Norwegen und Russland.
„Es gibt doch praktisch keine Katastrophen-Bereitschaft“, moniert er und verweist auf riesige Entfernungen, die im Fall einer Havarie in dem ökologisch hochempfindlichen Polarmeer zu überbrücken wären. „Alle sollten sich an die Katastrophe mit der „Exxon Valdez“ vor Alaska erinnern. So etwas hätte auch hier dramatische Konsequenzen.“