Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Weltflüchtlingstag am 20. Juni

Weltflüchtlingstag am 20. Juni

Baku, 20. Juni, AZERTAC

Derzeit sind weltweit über 122 Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Der Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen am 20. Juni macht auf die wachsende Zahl der Menschen aufmerksam, die vor gewaltsamen Konflikten oder Katastrophen fliehen mussten. Nach dem im Juni 2024 veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen waren 2024 besonders Menschen aus der Demokratischen Republik Kongo, Haiti, Libanon, Myanmar, Sudan und der Ukraine von Flucht betroffen.

Seit 2012 steigt die Zahl der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen stetig. Sie hat sich in diesem Zeitraum von 45 Millionen auf 123,2 Millionen Menschen fast verdreifacht. 2024 war weltweit jeder 65. Mensch auf der Flucht, dazu zählen Flüchtlinge und Binnenvertriebene. Auch die Zahl der Asylsuchenden hat sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt und liegt nunmehr bei rund 8,4 Millionen. Die Zahlen des UNHCR beziehen sich auf Asylsuchende, Flüchtlinge, Staatenlose und andere Menschen, die internationalen Schutz benötigen.

Definitionen laut der Genfer Flüchtlingskonvention – Die Genfer Flüchtlingskonvention gilt bis heute als das wichtigste Dokument für den völkerrechtlichen Schutz von Menschen auf der Flucht. Das Abkommen legt u.a. fest, wer als Flüchtling gilt und welcher völkerrechtliche Schutz mit diesem Status einhergeht. Das UNHCR überwacht die Umsetzung der Konvention.

Der Kernauftrag des UNHCR-Mandats betrifft "Flüchtlinge", und meint damit "alle Personen außerhalb ihres Herkunftslandes", die sich dort "aus Gründen von befürchteter Verfolgung, Konflikten, allgemeiner Gewalt oder anderen Umständen, die nachhaltig die öffentliche Ordnung aus dem Gleichgewicht gebracht haben" aufhalten und "internationalen Schutz" brauchen.

Binnenvertriebene (Internally Displaced Persons) fliehen innerhalb ihres eigenen Landes, z.B. vor Verfolgung, Krieg, Konflikten oder Naturkatastrophen. Sie stehen nicht unter dem Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention, ihr Heimatland ist für den Schutz ihrer Rechte zuständig. Seit 2005 unterstützt das UNHCR allerdings auch diese Menschen, etwa bei der Verwaltung von Unterkünften und Flüchtlingslagern.

Über zwei Drittel (66 Prozent) aller Flüchtlinge befanden sich 2024 in „andauernden Fluchtsituationen“ (protracted refugee situations). So definiert das UNHCR diejenigen Fluchtkrisen, wo mehr als 25.000 Staatsbürgerinnen und Staatsbürger aus demselben Land für mindestens fünf Jahre vertrieben wurden.

Die Mehrheit der Flüchtlinge bleibt in der Nähe ihres Heimatlandes – bis Ende 2024 lebten 67 Prozent von ihnen in benachbarten Staaten. Insgesamt nehmen Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen nach wie vor den größten Teil der Flüchtlinge auf.

Die Zahlen der größten Aufnahmeländer aller Flüchtlinge weltweit spiegeln dabei langjährige Konflikte: Fast alle der 3,5 Millionen Geflüchteten, die der Iran aufgenommen hat, stammen aus Afghanistan. Die Türkei ist Zufluchtsort für 2,9 Millionen Geflüchtete, der Großteil hier stammt aus Syrien. An dritter Stelle steht Kolumbien, wo 2,8 Millionen Flüchtlinge leben, mehrheitlich Menschen aus Venezuela. Als viertgrößtes Aufnahmeland hat Deutschland 2,7 Millionen Geflüchtete aufgenommen, 43 Prozent von ihnen aus der Ukraine.

Die meisten Geflüchteten sind Binnenvertriebene - Binnenvertriebene sind mit fast 60 Prozent aller geflüchteten Menschen die weltweit größte Gruppe der Schutzsuchenden. Im Jahr 2024 wurden 73,5 Millionen Menschen innerhalb ihres Landes zur Flucht gezwungen, 6,3 Millionen mehr als im Vorjahr.

Von den fast vier Millionen Menschen, die laut dem UNHCR-Bericht im Jahr 2024 zu Binnenvertriebenen wurden, stammen 67 Prozent aus sechs Ländern: Sudan, Myanmar, Demokratische Republik Kongo, Ukraine, Haiti und Mozambique.

Da palästinensische Geflüchtete nicht unter das Mandat des UNHCR fallen, sondern vom Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (engl. United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East, UNRWA) unterstützt werden, sind die Zahlen der Palästinenserinnen und Palästinenser nicht Teil der UNHCR-Statistik für Binnenvertriebene. Laut Angaben des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) gelten 90 Prozent der Zivilbevölkerung im Gazastreifen im laufenden Gaza-Krieg als vertrieben.

Aktuelle Krisen -Bürgerkrieg im Sudan weltweit größter Grund für Binnenvertreibung: Zur „größten Vertreibungskrise unserer Zeit“ hat sich nach Angaben der Vereinten Nationen der Bürgerkrieg im Sudan seit April 2023 entwickelt. Im Zuge der heftigen Kämpfe zwischen dem sudanesischen Militär und den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ befanden sich im April 2025 11,3 Millionen Menschen innerhalb des eigenen Landes auf der Flucht. Das ist der höchste Wert, der jemals für ein einzelnes Land festgestellt wurde. Wie in den meisten Fluchtkrisen müssen viele der Betroffenen mehrmals fliehen.

Weitere fast 4 Millionen Sudanesinnen und Sudanesen suchten Schutz außerhalb des Sudans. Darunter finden die Meisten in Nachbarländern Zuflucht: 1,5 Millionen Menschen flohen nach Ägypten, weitere Aufnahmeländer sind Chad, Südsudan, Äthiopien und Uganda. Weniger, aber in der Zahl zunehmende, sudanesische Flüchtlinge machen sich auch auf den gefährlichen Weg nach Europa: Fast 1.500 Sudanesinnen und Sudanesen, 134 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, erreichten in der ersten Jahreshälfte 2025 laut der Grenzschutzagentur Frontex die Außengrenzen der Europäischen Union. Sie gehörten damit - nach Flüchtlingen aus Afghanistan und Ägypten - zu den dritthäufigsten Ankommenden auf der östlichen Mittelmeerroute nach Europa.

Myanmar - Seit dem Militärputsch im Jahr 2021 befindet sich Myanmar im Bürgerkrieg und steht am Rande des Staatszerfalls. 3,6 Millionen Menschen sind innerhalb des südostasiatischen Lands auf der Flucht; 1,5 Millionen Menschen haben das Land verlassen. Auch hier handelt es sich um langandauernde Fluchtsituationen. Eine Lösung des Konfliktes ist laut dem Jahresbericht des UNHCR nicht absehbar (laut bpb.de).

Demokratische Republik Kongo - Der bewaffnete Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo dauert schon seit Jahrzehnten an; ein Ende ist auch hier nicht in Sicht. Seit 2022 führen schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen im Osten des Landes zur Vertreibung zahlreicher Menschen. 2024 haben sich die Kämpfe weiter intensiviert. Bis Ende 2024 mussten 7,4 Millionen Kongolesinnen und Kongolesen ihr Zuhause verlassen. Auch im Kongo sind die meisten Menschen Binnenvertriebene: 20 Prozent der kongolesischen Geflüchteten suchen internationalen Schutz, meist in den Nachbarstaaten Burundi und Uganda.

Ukraine - Die russische Vollinvasion seit Februar 2022 ist in der Ukraine Hintergrund der anhaltend hohen Zahl an Vertriebenen. 740.000 Menschen wurden 2024 wegen des Krieges innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben. Seit Beginn der Invasion 2022 suchen fast 3,6 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine Schutz. Hinzu kommen 7 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer, die im Zuge des russischen Angriffskrieges in ein anderes Land geflohen sind. Neben den knapp 1,2 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainern, die laut Zahlen des UNHCR vom April 2025 in Deutschland leben, befinden sich fast 1 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine in Polen und etwa 374.000 in Tschechien.

Hohe Zahlen an Rückkehrenden - Eine weitere Entwicklung geht aus den neuen Zahlen des UNHCR hervor: 2024 konnten 9,8 Millionen Menschen in ihre Heimat zurückkehren. Das ist die höchste Zahl seit über 20 Jahren. Hintergrund ist vor allem das Ende der Assad-Diktatur in Syrien im Dezember 2024. 1,7 Millionen Menschen sind seitdem wieder in Syrien eingereist. Obwohl die Lage im Land noch nicht stabil ist, rechnet das UNHCR bis Ende 2025 mit weiteren 3,5 Millionen Rückkehrenden. Auch deswegen geht das UNHCR für das kommende Jahr 2025 erstmals von einem leichten Rückgang der weltweit Geflüchteten aus.

2024 war das tödlichste Jahr für Menschen auf der Flucht - Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration der Vereinten Nationen (engl. International Organization for Migration, IOM) kamen im Jahr 2024 mit 8.938 Toten weltweit so viele Menschen wie nie seit Beginn der Erhebungen auf der Flucht ums Leben. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle und Vermisstenfälle unter Migranten und Migrantinnen ist laut der IOM vermutlich viel höher, da viele mangels offizieller Quellen nicht dokumentiert wurden. Insgesamt 2.452 Menschen starben auf dem Mittelmeer – ein Rückgang von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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