Die Aserbaidschanische Staatliche Nachrichtenagentur

Wie Kuba zur Insel der Energiesparer wurde

Baku, den 13. August (AZERTAG). Kuba feiert eine neue Revolution. Die Regierung hat Petroleumkochern, Strom fressenden Kühlschränken und Glühlampen den Kampf angesagt. Die Insel, die in Industrienationen noch immer als rückständig gilt, wurde so zum nachhaltigsten Land der Welt.

In Pedro Pí tanzt der Bär. Osmel Turner steppt über den Bretterboden der Cafeteria des Dorfs, schwenkt die Pranken im Takt der Combo und rappt seine Botschaft in die Menge: “Tut euch zusammen!”, skandiert er. “Rafft euch auf. Sonst steht uns das Ende der Welt bevor!” Eine finstere Botschaft, doch die Menschen zu seinen Füßen freuen sich, klatschen, wiegen sich im Rhythmus, und einige singen sogar mit, als der Barde vom Sterben der Fauna und Flora kündet: “Die Wälder sind abgeholzt, die Flüsse versiegen, die Erde verdorrt. Tut euch zusammen! Tut was dagegen.”

Pedro Pí ist nur ein Fliegenschiss auf der Landkarte von Kuba, 40 Kilometer von Havannas Zentrum entfernt: 650 Menschen leben in Flachdachhäusern zwischen Zuckerrohr-, Tabak- und Maisfeldern, in der Mitte eine Bodega mit ihrem bunten Angebot an Reis und Bohnen, Zucker und Kaffee, am Dorfrand eine Fleischfabrik und nahe der Schule die Cafeteria Ranchón, in der Juan Torres unterm Palmdach die besten Piña Coladas der Provinz Mayabeque mixt.

Das wäre auch schon alles, was das Kaff Pedro Pí auszeichnet, wenn es da nicht diese Solaranlagen auf den Dächern gäbe, ein Pilotprojekt, das zur Einweihung vor ein paar Monaten sogar den berühmten Rapper Osmel Turner auf den Plan gerufen hat. Der ist mit seiner Combo überall auf der karibischen Sonneninsel zur Stelle, wo es gilt, für die geschändete Umwelt um Hilfe zu schreien. Das Schwergewicht rappt auf Messen, in Schulen oder auf dem Malecón, Havannas vierspuriger Küstenpromenade, wo er die Unsitte anprangert, das Meer als Müllkippe zu nutzen. Oder in Pedro Pí, auf dessen Dächern ein Silberstreif Hoffnung schimmert.

Castro erzog sein Volk mit neuen Stromtarifen zum Energiesparen-Endlich. Mehr als 60 Jahre lang litt Kuba unter einer Energiekrise, die mit dem US-Embargo begann und Anfang der neunziger Jahre in eine akute Notlage mündete. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs fiel die Hilfe sozialistischer Bruderstaaten wie der Sowjetunion und der DDR aus, für den Import von Rohstoffen und Öl fehlten Devisen. In der Folge lagen Kraftwerke still, der Verkehr brach zusammen, ebenso die Produktion vieler Fabriken. Stundenlange Stromsperren legten jeden Tag die Fernseher, Ventilatoren und Kühlschränke lahm. Gegen Abend versanken Straßen und Häuser in Dunkelheit.

Inzwischen hellt sich die Situation in Stadt und Land auf. Aus der Not der vergangenen Jahre, so befahl Regierungschef Fidel Castro schon vor sechs Jahren, solle eine Tugend werden, die unter dem Namen “Revolución Energética” firmiert und neben Solarenergie alle denkbaren ökologischen Alternativen einsetzt. Castro verkündete damals in einer Fernsehansprache: “Wir warten nicht, bis Treibstoff vom Himmel fällt, denn wir haben etwas Wichtigeres entdeckt: Energie sparen. Das ist so, als würde man auf ein riesiges Ölvorkommen stoßen.”

Seitdem werben überall auf der Insel riesige Propagandaplakate fürs Energiesparen. Die “Granma”, offizielle Zeitung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas, lobpreist in fast jeder Ausgabe erneuerbare Energien, auf Cubavisión läuft einmal die Woche eine Fernsehshow rund um Energiefragen. Schon 2005 verbot der “Máximo Lider” den Gebrauch herkömmlicher Glühbirnen. Innerhalb von nur sechs Monaten gelang es Castros Sozialarbeitern, über neun Millionen Glühlampen in privaten Haushalten, Ämtern oder Fabriken aus Lampenfassungen zu schrauben und durch Energiesparlampen zu ersetzen. In nur zwei Jahren wurden zwei Millionen Kühlschränke entsorgt, dazu eine Million Ventilatoren, 180.000 Klimaanlagen und 260.000 Wasserpumpen. Die Kubaner mussten sich die neuen Energiespargeräte, die meist aus China stammten, auf Pump kaufen, ob sie wollten oder nicht. Mit Petroleum zu kochen war nun verboten, stattdessen ließ Castro Reiskocher zu günstigen Preisen auf den Markt werfen. Auch mit neuen Stromtarifen erzog er sein Volk zum Energiesparen: Wer weniger als 100 Kilowatt im Monat verbraucht, bezahlt nur neun Centavos pro Kilowatt; das entspricht rund 0,004 US-Dollar. Jedes Kilowatt mehr treibt die Stromrechnung sprunghaft in die Höhe.

 

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